Nasengruß für den Minister

Das Weltmuseum Wien hat den Maoris Überreste ihrer Vorfahren zurückgegeben. Die Zeremonie war nicht frei von Pomp

Feuilleton | REPORTAGE: LUKAS MATZINGER | aus FALTER 22/15 vom 27.05.2015

Es hallt himmlisch, wenn die neuseeländischen Männer durch die Säulenhalle der Hofburg singen. Der Sprechgesang schallt durch drei mit Marmor dekorierte Geschoße des Corps de Logis, wo sich das derzeit geschlossene Weltmuseum befindet. Stilecht in der Ursprache würdigt die Delegation des neuseeländischen Nationalmuseums die Heimholung von menschlichen Überresten von Maori aus dem ehemaligen Museum für Völkerkunde.

Seit Jahrzehnten versuchen Museen in aller Welt die Frage zu beantworten, wie sie mit gestohlenen Artefakten der Maori umgehen wollen. Menschliche Überreste sind nach den ethischen Richtlinien des Internationalen Museumsrats "besonders sensibles Sammlungsgut". Deshalb wurden seit 1990 ungefähr 1200 Maori-Skelette aus den USA und Europa nach Neuseeland zurückgeführt.

Und das geschieht nicht ohne Pomp. "Des is die Botschofterin", flüstert eine Museumsmitarbeiterin der anderen zu, als jene ihr Namensschild vom Sessel nimmt, um für die Übergabezeremonie Platz zu nehmen.


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