Film Neu im Kino

Auf dem Grund des Sees: "Lost River"

Lexikon | VANESSA SCHARRER | aus FALTER 22/15 vom 27.05.2015

Es soll sie noch geben, die modernen Geisterstädte, die verlassen werden, sobald es finanziell bergab geht. Zurück bleiben wahrscheinlich nur Melancholiker und Nostalgiker, die keine Angst haben. So wie etwa die kleine Familie im fiktiven Lost River; Billy, die alleinerziehende Mutter, mit ihren beiden Söhnen Franky und Bones. "Home is where the heart is", so das einfache Motto, das sie am selben Platz in einer menschenleeren Stadt ausharren lässt: Was vor ihnen liegt, ist nichts als Schutt, Aussicht auf bessere Zeiten ist weit und breit keine in Sicht. Sinnbild für diese Situation ist die Großmutter, die im Nebenhaus lebt und sich den ganzen Tag immer und immer wieder ihr eigenes Hochzeitsvideo ansieht und von gestern träumt.

In Ryan Goslings Regiedebüt "Lost River" spielt der gleichnamige Ort die Hauptrolle. Ein Ort, der aus mit Grün überwucherten Zäunen und Häusern besteht, wobei das eine oder andere dann auch schon einmal plötzlich in Flammen aufgehen. Die Nacht bietet die Kulisse für den größten Teil des Films, davor hebt sich das rote Haar von Christina Hendricks ab, ebenso wie die Neonlichter des Klubs, in dem sich ihre Figur Billy mit blutigen Fake-Horrorshows etwas dazuverdient. Die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit verwischt sich hier, das Blutspektakel wird zum Ventil für die betäubten Bewohner der Stadt. Die Trägheit und die bedrohliche Krise können mit Hilfe der künstlichen Shows verdrängt werden.

Goslings Handschrift als Regisseur ist unübersehbar geprägt von Nicolas Winding Refn, in dessen Filmen er selbst mitspielt. In "Only God Forgives"(2013) hat dieser die Nacht und das Neonlicht ebenso geheimnisvoll inszeniert, wie Gosling es nun tut - als ein abstraktes Märchen für die Augen.

Ab Fr in den Kinos (OF im Haydn)


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