Nüchtern betrachtet

Die Welt ist so oberflächlich!

Feuilleton | aus FALTER 22/15 vom 27.05.2015

Würde ich zu Pfingsten nicht immer ins Waldviertel fahren, könnte ich behaupten, ich wäre zu Pfingsten ins Waldviertel geflüchtet. Letztendlich kann man aber gar nicht ins Waldviertel flüchten, weil dort eh schon alle sind und Grillfeste für Menschen veranstalten, die auch was mit Medien machen. Kaum begibt man sich auf den Weg zum nächsten Wackelstein, schon steht ein Schriftsteller in der Landschaft und holt eine Schmalzklappstulle aus seinem funkelnagelneuen Wanderrucksack.

Vor Marien- und Einhornerscheinungen ist man im mystischen Waldviertel nie sicher, immerhin aber davor gefeit, durch einen Kanaldeckel von Udo Jürgens angesungen oder in der Schmalspurbahn mit den Lebensgestaltungsimperativen von alteritätsfolkloristischen Kunstfiguren beschallt zu werden. Selbst die erfolgreiche Jung schriftstellerin mit dem imperialen Namen kommt nur bis Haugsdorf, nicht aber Haugschlag, weswegen man getrost zum Perzy gehen kann, ohne dass neben einem jemand seinen Schweinsbraten auf Altgriechisch


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