Enthusiasmuskolumne Diesmal: Das beste Comeback der Welt der Woche

Eisige Lava: In der Hölle mit Bobby Liebling

Feuilleton | MATTHIAS DUSINI | aus FALTER 22/15 vom 27.05.2015

Der Teufel leckt Starkstrom. Die Zunge von Bobby Liebling, 63, züngelte am Montagabend an den Saiten des E-Gitarristen entlang und demonstrierte damit, dass in seinem ausgezehrten Körper noch immer der Rockdämon wohnt.

Liebling ist der Kopf der Metall-Band Pentagram, die Mitte der 70er-Jahre als Weiterentwicklung von Black Sabbath im Sinne der lärmtechnischen Brutalisierung gehandelt wurde. Der Durchbruch fand nicht statt, erst vierzig Jahre später wurde ein Wunder wahr: Der dröhnende Gitarrenlärm von Pentagram ertönte live in der Wien Arena. Lieblings Augen glotzten böse, als die aus angemieteten Musikern bestehende Begleitband die Lärmmaschine anwarf. Er drohte und flehte: "Do you know how it feels / When you wish to live no longer". Pentagrams Metal-Spielart Doom Metal ist verlangsamte Ekstase - Lava aus Eis. Und Bobby Liebling der große Vorsitzende der Krachloge.

Pentagram-Fan Demian Fenton stieß vor zehn Jahren auf die Musik des längst vergessenen Künstlers. Die von ihm gemeinsam mit Don Argott gedrehte Filmdoku "Last Days Here" erzählt die Geschichte eines genialen Performers, den seine Drogenabhängigkeit und sein fieser Charakter an einer Karriere in der Musikindustrie hinderten. Liebling ließ eine Tournee nach der anderen und eine Plattenproduktion nach der anderen platzen. Als die Pentagramologen Liebling im Haus seiner Eltern besuchten, war er mehr tot als lebendig. Zwei Millionen Dollar hatten die Lieblings seit den 70er-Jahren in die chemischen Freuden ihres Sohnes investiert. Dann geschah das Unvorstellbare: Bobby ging auf Entzug und ins Plattenstudio. Seine Freundin bekam einen kleinen Liebling. Und wir gottlosen Doomisten durften dem Satansbraten die Füße küssen.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige