Film Neu im Kino

Mehr Spaß als Spuk, gar kein Stil: "Poltergeist" neu

Lexikon | DR. ROBNIK | aus FALTER 22/15 vom 27.05.2015

Das Original von 1982 begann mit der US-Hymne zu Flimmerbildern vom Lincoln Memo rial: eine Sendeschluss-Signation, vom Fernsehschirm abgefilmt, dann weißes Rauschen, aus dem bald Phantome wispern. Sendeschluss kennt niemand mehr; TV ist nicht mehr das Primär-Interface von Wohnhaus und Welt. Der Dämon in Gil Kenans "Poltergeist"-Remakes nimmt andere Wege, um eine White-Middle-Class-Ami-Familie im Reihenhaus heimzusuchen. Der Experte, der ihn austreiben soll, entstammt einer Geisterjäger-TV-Show. Waren die Eltern im Film von Tobe Hooper (und Steven Spielberg) nett zerknautschte Ex-Hippies, sind sie heute völlig fertige Krisenopfer: Dad arbeitslos, Mum frustriert, das Haus eine Notlösung - nach Delogierung billig zu haben.

Wie 1982 macht die Familienalltagssatire Spaß (Sam Rockwell reißt einige Szenen an sich); auch Groteskkomik -statisch geladen abstehende Kinderhaare, Bohrmaschine, im schwarzen Orkus des Kleiderschranks verschwindendes Spielzeugschwein - klapp(er)t halbwegs. Aber die Monster und Tricks sind farb- und fleischlos, und für Spukhorror ist da zu wenig Atmo und Stil im Spiel. Schade.

Ab Fr in den Kinos (OF-3D im Artis)


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