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Herr Kremzar, was bringt die Gratis-Nachhilfe in Wien?

Politik | INTERVIEW: NINA BRNADA | aus FALTER 22/15 vom 27.05.2015

Jeder fünfte Schüler in Österreich bekommt Nachhilfe, das ergab eine Studie der Arbeiterkammer. 119 Millionen Euro werden für Lernhilfen ausgegeben, das sind zehn Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Besonders hoch sind die Kosten für Schüler von AHS-Oberstufen, wo jährlich im Mittel 876 Euro ausgegeben werden. Kurt Kremzar von der AK Wien deutet die Studienergebnisse.

Herr Kremzar, die meisten Schülerinnen und Schüler nehmen keine Nachhilfe in Anspruch. Was machen jene, die Nachhilfe bekommen, falsch?

Viele schaffen es offenbar auch ohne Lernhilfe. Es gibt aber auch viele Eltern, die finden, ihre Kinder bräuchten Nachhilfe, doch das Geld dafür reicht nicht. Das sind rund 40.000, viele von ihnen haben Migrationshintergrund. Diese Eltern lernen übrigens genauso viel mit ihren Kindern wie autochthone Österreicher. Überhaupt engagieren sich die meisten Eltern gleich intensiv, Nachhilfe hin oder her.

In welchen Situationen wird Nachhilfe in Anspruch genommen?

Im Gegensatz zu früher gibt es mehr Ad-hoc-Nachhilfe direkt vor Schularbeiten und Tests. Dabei geht es immer weniger darum, negative Beurteilungen zu vermeiden, sondern darum, positive Noten zu verbessern. Also beispielsweise in der Volksschule die AHS-Reife zu bekommen.

Welchen Einfluss hat die Gratis-Nachhilfe an Wiener Volkschulen, AHS-Unterstufen und Neuen Mitt elschulen?

Seit vergangenem Jahr sind die Ausgaben der Wiener für Nachhilfe um 500.000 Euro gesunken und betragen nun 39,5 Millionen Euro.

Die Kosten für die Maßnahme sind mit 20 Millionen aber deutlich höher.

Die Gratis-Nachhilfe ist trotzdem sinnvoll. Durch sie werden Kinder aufgefangen, die zuvor überhaupt keinen Zugang zu Nachhilfe hatten. Laut unserer Studie hat sich das Ausmaß der unbezahlten Nachhilfe in Wien im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppelt.


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