Fotografie Kritik

Nackte Chinesinnen, zum Ornament arrangiert

Lexikon | aus FALTER 22/15 vom 27.05.2015

Ende der 1990er-Jahre wurde die chinesische Schriftstellerin Mian Mian mit ihren Romanen über das freie Lebensgefühl von Shanghaier Partygirls und Rockgitarristen bekannt. Die Chronistin der neuen Jugend Chinas rief prompt die kommunistische Zensurbehörde auf den Plan, der die Bücher dieser "Symbolfigur geistiger Umweltverschmutzung" verbot. Auch die Darstellung von Nacktheit, Sex oder Homosexualität in der bildenden Kunst wird in China bis heute geahndet. Vor dem Hintergrund dieser Tabus müssen auch die Aktfotos von Ren Hang bei Ostlicht gesehen werden.

Der Stil des 1987 geborenen Fotografen ist von einem hohen Ästhetizismus mit provokativer Schlagseite geprägt. Fast jedes seiner Bilder zeigt die nackten Körper seiner jungen Freunde, artifizielle Poesie regiert und nicht Porno Chic. Da posiert etwa eine Frau - knallroter Lippenstift ist obligatorisch - mit dem Auge eines weißen Pfaus vor ihrem eigenen Auge, oder ein aneinander gelehntes Paar trägt eine gelbe Tigerpython auf seinen Schultern. Als Hintergrund der meisten der titellosen Fotos dient immer nur die weiße Wand.

In seinen originellsten Bildern stellt Ren Hang zwei Körper zu einer skurrilen Figur zusammen, was surrealistische Züge hat. Schnell nervig wird hingegen seine Liebe zu Ornament, für die er fast immer Frauenkörper arrangiert. Der Fotograf geht auch gern in die Natur, für seine Outdoor-Shootings wurde er jedoch bereits verhaftet.

Ein noch stärkerer Dorn im Fleisch der chinesischen Zensurbehörden dürften aber die gewagten homophilen Aufnahmen sein, wie etwa der Mann mit dem Plastiksack über dem Kopf, auf den ein Penis uriniert. Eine billige Kopie stellt die Inszenierung von Körpern als hügelige Landschaft dar, die seinem Landsmann, dem Künstler Liu Wei, schon vor Jahren besser gelungen ist. NS

Ostlicht, bis 25.7.


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