Theater Kritik

Tunten und Verräter: Wien um 1910

Lexikon | MARTIN LHOTZKY | aus FALTER 22/15 vom 27.05.2015

Anders als in "Oberst Redl - ein Patriot" (1965) von John Osborne war der historische Vizechef des Evidenzbureaus (Nachrichtendienst) Alfred Redl ein geldgieriger Parvenü und halt zufällig schwul. Militärgeheimnisse verkaufte er nicht nur an Russland, sondern wohl auch an Frankreich und Italien. Darauf verweist Bruno Max im Programmheft zu seiner Inszenierung. Das schmälert aber keineswegs die Eindringlichkeit des Stückes um dieses fiktive Coming-out unter erschwerten Bedingungen (k. u. k. Armee). Als verklemmter Aufsteiger und nolens volens Verräter Redl brilliert Christian Kainradl. Die Schlüsselszene mit Drag-Ball (als Gastgeber: Günter Tolar) bietet zusätzlich großes Theater im kleinsten Rahmen an diesem sehr empfehlenswerten Abend.

Scala, Fr, Sa, Di-Do 19.45


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