HOTEL TRAUMA

Luxusherberge, Folterkeller, Copyshop: Wie das Hotel Metropole aus dem kollektiven Gedächtnis Wiens verschwunden ist


ANNÄHERUNG: MATTHIAS DUSINI
Feuilleton | aus FALTER 22/15 vom 27.05.2015


Foto: Wien Museum

Foto: Wien Museum

Von den Misshandlungen wurde sie einige Male ohnmächtig. Der Kriminalbeamte fesselte die Hände der 23-jährigen Rosa Grossmann hinter ihrem Rücken und drückte ihre Arme in die Höhe, sodass sie glaubte, die Knochen würden brechen. „Ich wusste, dass sie mich an jenem Abend am Morzinplatz hatten fertigmachen wollen“, schrieb die 2013 verstorbene Kommunistin über ihre Haftzeit in der Gestapo-Zentrale.

Vier Tagen lang währte die Folter, dann stürzte sich Grossmann im Oktober 1943 vom vierten Stock des ehemaligen Hotel Metropole in den überdachten Innenhof. Sie überlebte schwer verletzt, kam später aus der Haft frei und arbeitete nach dem Krieg als Journalistin. „Ich kann mir noch heute dieses Glücksgefühl in Erinnerung rufen, wie ich da fliege, nicht stürze, sondern fliege, weit weg von der Folterkammer. Weit weg“, schrieb sie in ihren Erinnerungen.

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