Selbstversuch

Das richtete sich keinesfalls an die Jungen

Kolumnen | Doris Knecht | aus FALTER 22/15 vom 27.05.2015

Womansplaining, so entnehme ich dem Urban Dictionary, bedeute, "the tendency of some women to mistakenly believe that they automatically know more about any given topic than does a man and who, consequently, proceed to explain to him - correctly or not - things that he already knows." Aha. Nur weil mir das Leser Herbert K. unterstellt hat, nach der letzten Kolumne zu Vea Kaiser. Wenigstens der Vorwurf, es erklärte hier eine "Alte den Jungen, dass sie sich von den Alten nix erklären lassen soll", ließ sich entkräften, weil sich meine Predigt keinesfalls an Junge richtete, sondern an andere Alte. Alte Männliche allerdings im Speziellen, die das Netz als wunderbare Spielwiese entdeckt haben, auf der sich fantastisch eine männliche Kernkompetenz sackhüpfen lässt, nämlich den Frauen zu erklären, wie es geht, wie es richtig ginge und wie man es viel besser machen könnte.

Was Herbert K., auch nicht mehr der Jüngste, allerdings dann in erfreulich selbsterkenntnisreicher Klarsicht so kommentierte: "Die alten Männer erklären dann den alten Frauen, dass sie den jungen Frauen nicht erklären sollen, dass diese sich nichts von alten Männern erklären lassen sollen." Genau. Sehr fein formuliert. Auch wenn ich so alt nun auch wieder nicht bin, speziell im Kontext mit der Absicht, mindestens noch einmal so alt zu werden.

Auch der Mann, der Tiere liebt, hat sich erneut gemeldet. Das Scheißdickmaulrüssler-Bashing sei nämlich keineswegs so lange her, wie ich behauptete, sondern ein Vergehen, dessen ich mich exakt 2008 schuldig gemacht habe. Er konnte mir auch einen Beweis aus seinem digitalen Archiv beilegen, Chapeau. Ich bedaure meinen Irrtum, welcher allerdings dem Umstand zu verdanken ist, das mir zweimal der Scheißdickmaulrüssler die Festplatte samt allen Daten aufgefressen hat; inklusive meiner gesamten Korrespondenz.

Apropos Korrespondenz. Weil's mir lieber wäre, wenn Hillary Clinton die Welt regiert, als wenn es Jeb Bush oder Rand Paul tun, habe ich ihrer Kampagne zehn Dollar gespendet. Jetzt bekomme ich jeden Tag freundliche Mails von Hillary, zuletzt eins mit dem Betreff: "Doris - I want to meet you." Schön, gerne! Bei der Gelegenheit kann ich mich dann auch dafür entschuldigen, dass ich Hillary mehr Geld gekostet als gebracht habe, denn da sie, was mir nicht so klar war, keine Donations aus dem Ausland annehmen darf, wurde das brav rücküberwiesen, was wiederum von ein paar Extra-Mails begleitet war. Versuchsweise habe ich auf eines davon geantwortet und bekam tatsächlich eine persönliche Antwort, nicht von Hillary, aber von Laura.

Wahrscheinlich eine unbezahlte Praktikantin, und es tut mir leid, dass ich ihr und ihrer Chefin Umstände gemacht habe. Mails schicken sie mir aber weiterhin, das ist nett und verschafft mir die Möglichkeit, den US-Wahlkampf quasi aus dem Inneren von Hillarys virtuellem War-Room beobachten zu können. Ich halte euch auf dem Laufenden.


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