Tiny Dancer

Kinder im Ballett, das klingt nach Schmerz und Drill. Olivia will ins Staatsopernballett und trainiert jeden Tag dafür. Warum?

Feuilleton | REPORTAGE: LUKAS MATZINGER | aus FALTER 22/15 vom 27.05.2015

Die Gelenke knacken. In den Händen, in den Füßen, in den Nacken. Acht Mädchen dehnen noch einmal ihre dünnen Körper, während sie vor dem Noverre-Saal der Wiener Staatsoper warten. Ein letztes Mal gehen sie die Tanzschritte durch: "Erst acht normal, dann acht mit Armen." Sie helfen einander, ihre Haare zum Dutt zurückzubinden und die Nummern ans Trikot zu heften. Je strenger, desto besser. Heute ist ein großer Tag.

Olivia steht in der Tür zur Umkleidekabine - mit einem Fuß am Boden und einem über Kopf im Türrahmen, so dass die Oberschenkelmuskeln ihre weiße Strumpfhose ausbeulen. Heute hat ihre Klasse der Ballettakademie Jahresabschlussprüfung. Vor acht Lehrern wird Olivia gleich tanzen müssen. Eine Stunde klassisches Ballett, dann 20 Minuten Charaktertanz mit einem Burschen als Partner und volkstümlichem Röckchen um die Hüften, zum Schluss ein historischer Tanz. Die Tür geht auf. Die Klavierspielerin schlägt das Titellied aus dem Film "Das Piano" an. Entrée.

Um 5.30


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