Mediaforschung Verführungskolumne

Gewaltige Videos, sauschlechte Grafiken - wer wirbt denn da?

Medien | BENEDIKT NARODOSLAWSKY | aus FALTER 23/15 vom 03.06.2015

Man sieht: die Erde aus der Weltraumperspektive in all ihrer Pracht. Die herrlich dunklen Meere, die gewaltigen Wolken, die sich über sie schieben, dahinter ein gleißender Schimmer - die aufgehende Sonne. Ein Satellit taucht auf. Es ist ein gewaltiges Bild. Dazu dramatische Hintergrundmusik.

Plötzlich erscheint ein Satz in billig blinkenden Großbuchstaben: "Problems with your satellite TV?" Gedudel ertönt, wie aus einem Computerspiel der frühen 1990er-Jahre. Ein Logo rollt wie in einer Powerpoint-Präsentation auf den Schirm. "Cosmo - Cable and Satellite Services". Es sieht richtig scheiße aus.

Nur das Hintergrundbild bleibt traumhaft. Der Satellit, die Erde, die herrlichen Weltmeere. Wer hat denn hier auf den letzten Metern seine beeindruckende Werbung vermurkst? So etwas darf doch nicht passieren!

Doch, darf es. Denn hier wirbt nicht Cosmo, die lokale Firma für Kabel-und Satellitenservice. Das Unternehmen existiert in der Realität gar nicht. Nein, hier wirbt die Foto-und Videoagentur iStock, die zur amerikanischen Agentur Getty Images gehört. Das verrät der Slogan nach dem Slogan: "Gewaltiges Filmmaterial zu nicht gewaltigen Preisen."

iStock bietet lizenzfreies Bildmaterial an und richtet sich mit der Werbung an potenzielle Kleinkunden. Schöne Videos zu bekommen, sagt das Video, ist so billig und einfach, wie eine schlechte Powerpoint-Präsentation zu machen. Die Werbung ist also gewollt mies. Gerade das macht sie in dem Fall zu einer überraschend guten.


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