Mit George ist nicht zu rechnen

Das erste Café des Schweizer Nespresso-Konzerns steht auf der Mahü

Stadtleben | LOKALKRITIK: FLORIAN HOLZER | aus FALTER 23/15 vom 03.06.2015


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Ich mag George Clooney. Nespresso mag ich weniger. Wiewohl man vor deren Marketing und Logistik den Hut ziehen muss, und auch vor der Strategie, den Leuten unter Aufbietung enormer Werbemittel permanent zu signalisieren, dass ein aus einer Kapsel gedrückter brauner Schaum, der so ähnlich wie Espresso aussieht, an König Espresso heranreichen könnte. Alle Achtung.

Kann er natürlich nicht, als Rechtfertigung für die gelungene Illusion dienen jedenfalls die Zahlen: ein paar Milliarden Kapseln pro Jahr, ein paar Milliarden Umsatz pro Jahr. Das System funktioniert, nicht zuletzt, weil in den Medien – das Inseratevolumen ist enorm – vorzugsweise euphorisch über das Unternehmen berichtet wird.

Jetzt gibt es jedenfalls das erste Nespresso-Café der Welt, und zwar nicht am Comosee, wo George Clooney eine traumhafte Villa besitzt, sondern auf der Mariahilfer Straße. Es sieht fantastisch aus, muss man sagen, helle Eiche, helles Leder, indirekte Beleuchtung, eine Mischung aus Tempel und Kunden-Café der BMW-Luxusabteilung. Dass es von Do & Co betrieben wird, bemerkt man erst bei genauem Hinsehen – die Süßspeisen sind von der Do-&-Co-Tochter Demel, die Sandwiches von der Do-&-Co-Tochter Henry. Irgendwie scheinen die Snacks aber doch nur Dekoration, denn das Heiligtum befindet sich im hinteren Bereich, beim „Nespresso Cube“, wo sich der Freund des Heißgetränks von einem Computer die gewünschten Kapseln auswerfen lassen kann. Keine Sorge, eine Dame steht bereit und hilft.

Dass all die Muffins, all die Schokoladen, all die Kuchen, die sich in der Auslage und auf der Vitrine appetitlich türmen, laut angeheftetem Zetterl „Ausstellungsware“ sind, irritiert aber halt schon ein bisserl. Man ist sich dann nicht mehr so sicher, ob das darunter in der Vitrine nicht auch … Das Brötchen mit Currysauce und etwas trockener, aufgeschnittener Hühnerbrust war aber eh frisch und so gut, wie man es von Do-&Co-Caterings halt kennt, der Preis schon ein bisschen sehr London (€ 3,70). Huhn in Form von vier Minisandwiches, die in einer formschönen, aufwendigen Verpackung warten, war auch frisch, aber etwas geschmacksneutral. Man bekommt aber auch noch ein 25-Gramm-Säckchen mit englischen Chips dazu (€ 5,50). Das Himbeer-Macaron: süß; das Cassis-Macaron: blau und süß (je € 2,10/Stück); der „Apfelstrudel 8 x 3 cm“: ebenfalls süß (€ 3,90, was der Dame hinterm Counter aber offenbar peinlich war, weshalb sie noch ein zweites Stückchen 8 x 3 cm dazulegte). Der Ristretto: nun ja (€ 2,20).

Schade jedenfalls, dass Do & Co da nur ein Begleitprogramm fährt, die Location könnte definitiv echtes Essen verkraften. Ob George Clooney am Comosee Nespresso trinkt, war aus zuverlässigen Quellen übrigens nicht zu erfahren. Es gibt dort aber die hervorragende Kaffeerösterei Caffè Milani.

Resümee:

Das weltweit erste Nespresso-Café ist eigentlich ein gigantischer Nespresso-Kapselautomat mit hübschem Café-Nebeneffekt.

Café Nespresso
6., Mariahilfer Str. 1c
Mo–Fr 7–20, Sa 8–19, So 9–18 Uhr
www.nespresso.com


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