Kunst Vernissage

Das Werden des Wiener Prachtboulevards

Lexikon | NS | aus FALTER 23/15 vom 03.06.2015

Zum 150. Jubiläum der Wiener Ringstraße werfen sich die hiesigen Museen ins Zeug und auch das Wien Museum darf als Gratulant natürlich nicht fehlen. Die von Andreas Nierhaus kuratierte Ausstellung "Der Ring. Pionierjahre einer Prachtstraße" rollt die Vorgeschichte von den ersten Plänen bis zur festlichen Einweihung des Prachtboulevards am 1. Mai 1865 auf und zeigt teils nie zuvor ausgestellte Pläne, Entwürfe, Architekturmodelle und Fotografien aus der Epoche.

Es ist auch die Geschichte einer Demolierung, denn Wien war seit dem 13. Jahrhundert von Mauern umschlossen, die weichen mussten. Die schnell wachsende Bevölkerung ließ diese Wehrbauten Mitte des 19. Jahrhundert zu eng werden. Bereits 1857 gab Kaiser Franz Joseph I. seinen Willen kund, diese Anlagen zugunsten eines Boulevards zu schleifen und einen Planungswettbewerb auszuschreiben. Bei diesem internationalen "Concours" handelte es sich um den ersten Städtebauwettbewerb der Moderne; zwar wurde keiner der Entwürfe realisiert, aber aus den Ergebnissen doch das Grundkonzept für die Ringstraße erstellt. Durch den Verkauf der angrenzenden Baugründe wurden öffentliche Gebäude wie die Oper finanziert.

Der Abriss des Glacis sorgte aber auch für Verstimmung in der Bevölkerung, da es mit seiner Allee sehr beliebt bei Spaziergängern war. Die Schau zeichnet die gesellschaftlichen Veränderungen durch den Aufstieg des Bürgertums nach, das sich historistische Palais errichten ließ.

Zu sehen sind auch alternative Pläne zur Ringstraße, etwa Adolf Loos' Entwürfe von 1912/13, der die bauliche Trennung zwischen Innenstadt und angrenzenden Bezirken entschärfen wollte. Seit den 1960ern erlebt der Ring eine positive Neubewertung, die auch in der aktuellen Jubiläumsausstellungsflut deutlich wird.

Wien Museum, Mi 18.30; bis 4.10.


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