Ohren auf Austro-Vinyl-Allerlei

Von der Liebe, der Gitarre und der Energie

Feuilleton | GERHARD STÖGER | aus FALTER 23/15 vom 03.06.2015

Stures Geradeausrocken ist Robert Lepeniks Sache nicht. Oder besser gesagt: nicht ausschließlich. Der steirische Gitarrist beherrscht das laute, druckvolle Spiel zwar, mit seinen diversen Bands und Projekten bevorzugt er aber eine gewisse Vertracktheit. Das aktuellste Beispiel dafür ist "Nietzsche in Love" (Pumpkin), das auf Vinyl in schickem Klappcover gepresste Debüt seiner Band The Gitarren der Liebe. Artrock statt Hartrock, lautet die Devise, der Spaß beim Spielen geht hier offenkundig mit dem Spaß beim Denken einher. Hübsches Detail am Rande: der rote Kussmund, den Friedrich Nietzsche hier auf der Wange trägt. Sehr schick!

Andreas "Mops" Breitwieser ist als Gitarrist dagegen kein großer Um-die-Ecke-Denker. Beim gebürtigen Linzer geht es seit den ausgehenden 1980er-Jahren um kraftvolle Geradlinigkeit im Zeichen des Punkrock, nachzuhören bei Bands wie Target Of Demand, Those Who Survived The Plague und Brambilla. Nun prägt sein charakteristisches Spiel das mit zwei Sängern ausgestattete Sextett Dim Prospects, dessen forsches Vinyl-LP-Debüt "Dim Prospects" (Lunadiscs) Energie und Eingängigkeit verbindet, ohne dabei allzu melodiös zu werden. Das Rad erfinden Dim Prospects naturgemäß nicht neu, aber wozu auch, es läuft schließlich ganz gut.

Karl Ratzer ist als Jazz-Virtuose bekannt, begonnen hat der Wiener Gitarrist einst freilich mit Beat. Drei Beispiele dafür enthält der Soundtrack zu Eddy Sallers 1968 gedrehtem Austro-Sexploitation-Film "Schamlos", den die Trüffelschweine des Digatone-Labels ausgegraben und auf Vinyl gepresst haben. Dazu kommt die Schlager-Beatband The Sirs; die eigentliche Filmmusik hat Gerhard Heinz komponiert. Sehnsuchtsmelodien stehen neben Easy-Listening mit Beatanteilen, Softjazz und psychedelisch gefärbten Soundspielereien. Mit einem Wort: toll!

Dim Prospects live: Arena, 12.6., 20 Uhr


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