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Was will der Autor sagen? Der etwas andere Doderer

Lexikon | SF | aus FALTER 23/15 vom 03.06.2015

Der stets wütende Childerich III. von Bartenbruch ist entnervt, weil es trotz einer ausgeklügelten Heiratspolitik so schwierig ist, sein eigener Vater, Großvater und Schwiegersohn zu werden. Als Heimito von Doderer 1962 sein groteskes Spätwerk "Die Merowinger oder Die totale Familie" veröffentlichte, reagierte die Literaturkritik etwas ratlos. Hilde Spiel rätselte, ob Doderers Held mitsamt seiner Familie "den Untergang des europäischen Adels" oder gar die "Hierarchie des Dritten Reiches" symbolisiere. Günter Blöcker vermutete in dem Roman lediglich einen "brutalen Ulk". Im Epilog schrieb Doderer tatsächlich: "Aber das Ganze ist doch ein Mordsblödsinn." Mit Sicherheit handelt es sich hier um sein absurdestes Werk. In der Reihe "Literatur im Konzerthaus" nimmt sich nun Karl Markovics bei einer Lesung der "Merowinger" an.

Konzerthaus, Mozart-Saal, Di 19.30


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