Mein verlorener Sohn

Ein Berufsschüler fällt im Dschihad. Seine Mutter erzählt, wie sich ihr Bub in der Leopoldstadt radikalisierte


PROTOKOLL: NINA BRNADA
Politik | aus FALTER 23/15 vom 03.06.2015


Illustration: P.M. Hoffmann

Illustration: P.M. Hoffmann

Dass mein Sohn in Gefahr war, hatte ich erst verstanden, als es schon zu spät war. Am Pfingstsonntag im Jahr 2009 kam ich aus einem Kurzurlaub im Burgenland nach Hause nach Wien und fand auf dem Esstisch den Wohnungsschlüssel meines Sohnes. Daneben lag ein Zettel, der aus einem rot linierten A4-Heft herausgerissen war. Es war ein halbseitiger Abschiedsbrief. Darin stand, dass er gegangen ist, um den Islam zu studieren. Er würde wohl auch nicht mehr zurückkommen, und er liebe uns sehr.

Rund zwei Jahre später war mein Sohn tot; als er starb, war er 18 Jahre alt. Es war am 31. Juli 2011. Das weiß ich zumindest aus einem Video, das Monate später im Internet auftauchte. Darauf ist sein Leichnam zu sehen, auf seiner rechten Gesichtshälfte hat er eine tiefe Narbe, die genäht ist.

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