Kratzer am eigenen Denkmal sind nicht erwünscht

Wendekanzler Wolfgang Schüssel wird 70. Selbstkritik ist ihm immer noch fremd, aber er kann blendend das Zeitgeschehen kommentieren

Politik | REZENSION: BARBARA TÓTH | aus FALTER 23/15 vom 03.06.2015

Mediale Enthaltsamkeit war für Wolfgang Schüssel noch nie ein Problem. Schon in seiner aktiven Zeit als Kanzler dosierte er seine Wortspenden sehr genau. Das brachte dem Konservativen, der von 2000 bis 2006 Österreichs erste und bisher einzige schwarz-blaue Koalition anführte, deshalb auch den Nom de Guerre "Schweigekanzler" ein.

Nun ist Schüssel 70 Jahre alt geworden und hat sich selbst dazu ein Buch geschenkt. Interviewanfragen zu diesem Anlass - auch die des Falter - lehnt er einmal mehr routiniert ab. So viel Selbstkontrolle gebietet durchaus Respekt. Altpolitiker, die sich als Waldorf und Statler durch die Gazetten schlagen, gibt es genug.

Schüssel ist ein äußerst konsequenter Denkmalpfleger seiner selbst. Auch 2011, als er überraschend aus dem Parlament ausschied, gab er keine großen Abschiedsinterviews. Aus seiner Sicht war wohl alles zu seiner Amtszeit gesagt. Schließlich hatte er kurz zuvor, im Jahr 2010, eine Art politischen Memoirenband in dritter Person veröffentlicht,


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