Enthusiasmuskolumne Diesmal: das beste Auto der Welt der Woche

Das Auto für wenn das Leben schön ist

Feuilleton | LUKAS MATZINGER | aus FALTER 23/15 vom 03.06.2015

Björn Envall ist ein bescheidener Mann. Er lebt in einem abgelegenen Holzhaus in Südschweden, ist heute 73, trägt Stoffh ose und Glatze und redet gerne über Churchill, Käse und das Bauen von Autos. Knapp 40 Jahre ist es her, dass Envall selbst das allerschönste erfunden hat.

Envall war Chefdesigner des Saab 900. Er hat das gediegene Fließheck entworfen und die konkave Windschutzscheibe , die runden Armatureninstrumente innen, die aufmüpfige Front außen. Kein Coupé, keine Limousine, kein Luxus-, kein Vernunftauto. Envall baute ein Auto, dem nicht danach war, sich unterzuordnen.

Als der Saab 900 1978 auf den Markt kam, war die Marke festgefahren. Lange bevor das schwedische Traditionshaus von General Motors zu Tode ge-opelt wurde, sind Professoren im Rollkragenpulli mit dem Saab beim Gymnasium vorgefahren, und schrullige Pensionisten wuschen ihn nach dem Sonntagsausflug gründlich in der Einfahrt sauber.

Der 900er hat all das geändert. Mit einem Design, verwegen, aber sanft, unschuldig und doch erotisch -kurz: einem gar sinfonisch gebauten Automobil. Dazu vernünftige PS-Zahlen zwischen 100 und 200 von Motoren, die biblische Laufleistungen erreichten - die Legende war geboren, und die Muttermarke endlich salonfähig.

Heute ist es fast noch geiler, 900 zu fahren. Das Ende der Saab-Kfz-Produktion hat den Kult um den Wagen noch weiter intensiviert. Dabei ist im Kern alles beim Alten geblieben: Der Saab 900 ist ein Auto für Individualisten. Er ist das Anti-Winterauto. Einer für die schönen Seiten des Lebens. Um mit der Liebsten ans Meer zu fahren oder mit Freunden in den Sommer. Er ist die Gegenthese zum rundgelutschten Einheitswagen der Gegenwart. Der Saab 900 ist alles, was wir Schreibtischrebellen zu begehren wagen.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige