Selbstversuch

Das wird der Herr auch nicht gerne hören

Kolumnen | Doris Knecht | aus FALTER 23/15 vom 03.06.2015

Natürlich sollte, wer Woman splaining einer kritischen Analyse unterzieht, unbedingt zuvor Mansplaining erörtern, Entschuldigung die Unterlassung. Denn in tragischer Unkenntnis des Begriffes ging es um Mansplaining hier jetzt ja tatsächlich schon seit geraumer Zeit: also um die Generosität, mit der (ältere) Männer (jüngeren) Frauen völlig offensichtliche und ihnen längst bekannte Sachverhalte und das Leben an sich erklären, weil, eh. (Oder auch "lieben, kaum gealterten" Freundinnen die Wadln vire richten, wie es der Mann, der Tiere liebt, unlängst tat, im Original freundlicherweise gänzlich anführungszeichenfrei, die sparte er sich für "im Grünen", da er sich offensichtlich weiterhin nicht vorstellen kann, dass Menschen, die Dickmaulrüssler und Maikäfer nicht lieben, die Stadt vom Land unterscheiden können.)

Apropos "Land", dass ich's nicht vergesse, ich muss die Geschichte von Horwaths Toaster erzählen, die der Mann, der "Tiere" liebt, auch nicht wahnsinnig gerne hören wird. Wenngleich die Geschichte von Horwaths Toaster gar nicht exemplarisch ist, sondern rein anekdotisch. Ich habe die ausdrückliche Ausplaudergenehmigung von der Horwathin, und sie geht so:

Wie die meisten "alten" Häuser "am Land" beherbergt auch das Horwath'sche "Landgut" eine kleine Mäusepopulation, man trägt das mit Gelassenheit und sabotiert mit klug platzierten Mausefallen ihre Vergrößerung. Als kürzlich die Dr. Urban auf Besuch war und gerade mit der Horwathin "Kaffee" trank und Modeheftln studierte, vernahmen die Damen Getrippel auf der Kommode und wurden sodann Zeuginnen, wie darauf eine Maus spazieren ging, in Richtung des Toasters, der eifrig benutzt wird, weil man ja im Sinne eines nachhaltigen Lebensstils (der Mann, der Tiere liebt, würde hier Anführungszeichen anschrauben) nicht jeden Tag frisches Brot kaufen geht, sondern erst das alte wegtoastet, sofern es sich noch irgendwie in Scheiben hacken lässt.

Die Maus schnupperte sich einmal um den Toaster herum und hüpfte dann in den Toaster hinein. Worauf die Damen das Modeheftl geschwind auf den Toaster legten, ihn aussteckten und sich damit in den Garten begaben, um das arme Mauserl in die "Natur" zu entlassen, wie es nette "Landmenschen" so tun.

In angemessener Entfernung vom Haus wurde der Toaster umgedreht und die Maus suchte auch sofort das Weite. Die beiden anderen Mäuse, die dann herausfielen, nicht, denn sie waren schon lange tot. Und gut getoastet, denn der Toaster, wird, wie gesagt, von Groß und Klein oft und gerne benutzt, und die Horwathin hat nun endlich eine Erklärung dafür, warum sich der Hebel immer so schwer runterdrücken und arretieren ließ. Sie haben jetzt, der Horwath ist ja immer viel auf Flohmärkten unterwegs, einen neuen alten Toaster.

So ist das Leben bei uns "am Land". Da fällt mir ein, ich sollte vielleicht einmal meinen Toaster umdrehen. Vielleicht könnte mir ein Herr erklären, wie man das macht.


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