Neue Platten

Feuilleton | aus FALTER 23/15 vom 03.06.2015

Pop

Shamir: Ratchet

Der 20-jährige Shamir Bailey kommt aus Las Vegas, singt wie eine junge Lady und hat das erfrischendste Popdebüt seit geraumer Zeit am Start. Anders als der ebenfalls aus der Glitzermetropole stammende Brandon Flowers badet Shamir nicht in Kitsch, er vermeidet ihn in seinen tanzbaren Ohrwürmern, die Disco, Techno und zauberhafte Popmelodien stilsicher verbinden. Das hat eine Leichtigkeit, wie sie im aktuellen Pop nur noch höchst selten erreicht wird. Neben Jamie xx das zweite tolle Sommeralbum 2015. (XL) SF

Jazz

Charles Lloyd: Wild Man Dance

Respekt! Der 77-jährige amerikanische Tenorsaxofonist bleibt auf der Suche nach neuen Sounds und findet sie. Coltrane drängt sich als spirituell Verwandter auf, Lloyd spielt den Ball weiter. Das gelingt ihm vor allem durch virtuose Mitspieler an Lyra und Cymbalom, die das klassische Quartett spielentscheidend erweitern und nicht als exotisches Beiwerk eingesetzt sind. Die sechs langen Stücke der tänzerischen Suite sind frei, offen, landen gelegentlich bei einem universellen Blues und bleiben: wild! (Blue Note) DMK

Klassik

Piotr Beczala: The French Collection

Zuletzt veröffentlichte Piotr Bezcala ein solides, aber etwas zu altbacken geratenes Operettenalbum, jetzt folgt Musik aus Frankreich. Das Lyrische, Feinsinnige und Elegante liegt dem Polen ungleich mehr -von den Klassikern des Repertoires wie Massenet ("Manon", im Duett mit Diana Damrau), Gounod ("Roméo et Juliette") und Bizet ("Carmen") bis hin zu selten Gespieltem, etwa Boïeldieus "La Dame blanche" oder Donizettis "Dom Sébastien". Zwölf hinreißende Arien und ein Tenor auf dem Höhepunkt seines Könnens. (DG) MDA


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