Lisas schleierhafte Reise

Eine 16-Jährige wollte nach Syrien zu ihrem Mann. Nun ist sie Witwe und steht als IS-Terroristin vor Gericht

Politik | PROZESSBERICHT: FRANZISKA TSCHINDERLE | aus FALTER 23/15 vom 03.06.2015

Auf der Anklagebank im Landesgericht Wien, Saal 303, sitzt eine Witwe. Sie ist erst 16 Jahre alt und heißt Lisa R. Sie trägt einen braunen Tschador und versteckt ihr Gesicht hinter einer Mappe. Vermummte Sicherheitsmänner führten sie in den Saal.

Wie alle Jugendlichen in ihrem Alter ist sie auf der Suche: nach Identität, Gleichgesinnten und einem Ort des Zusammenhaltes. Und wie die meisten Mädchen in ihrem Alter hat sie auch Streit mit ihrer Mutter. Andere bekommen Hausarrest, Lisa aber nahm die Mutter den Pass weg.

Wäre das nicht passiert, wäre ihr Plan vielleicht doch aufgegangen. Der sah so aus: im Linienbus nach Istanbul und dann mit einem Kontaktmann namens "Abu Luqman" weiter in das Herrschaftsgebiet des Islamischen Staates. Dort, wo ihr Mann unter neuem Namen zum Gotteskämpfer geworden war. Dort, wo ihr Mann vor wenigen Wochen bei einem Bombenangriff ums Leben gekommen war.

Es sind vor allem junge Männer, die sich dieser Tage dem sogenannten Islamischen Staat anschließen,


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige