Theater Kritik

Sophokles' "Antigone": Alles Pathos, alles Drama

Lexikon | SS | aus FALTER 23/15 vom 03.06.2015

Am Anfang sind sie nackt. Tot liegt Polyneikes auf dem Boden im Nebel, als Ismene (Mavie Hörbiger) ihre Schwester Antigone (Aenne Schwarz) davon abhalten will, den toten Bruder zu begraben. Kreon, der neue König von Theben, verbietet dem Vaterlandsverräter die Bestattung.

Regisseurin Jette Steckel hat Sophokles' "Antigone" (Textfassung: Frank-Patrick Steckel) als ein monumentales Drama auf leerer Bühne inszeniert. Eine bewegliche Mauer mit hunderten quadratischen Scheinwerfern, die effektvoll aufleuchten, gibt dem Stück manchmal den Charakter eines schwermütigen Rockkonzerts mit imposanter Lichtshow (Bühne: Florian Lösche). Anja Plaschg alias Soap&Skin und Anton Spielmann von der Hamburger Band 1000 Robota haben die Musik für diese bildgewaltige Inszenierung komponiert, eine Mischung aus elegischem Elektro-Metal, Orgelmusik und vor allem den schönen Liedern eines mehrstimmigen Chores, der von den Logen aus das Drama besingt, das ein Sprechchor im Zuschauerraum immer wieder kommentiert.

Joachim Meyerhoff spielt Kreon als einen Herrscher, dem nicht leicht fällt, was er tut. Er ist zwar hart und die Wut ist tief in ihn eingegraben, aber seine Härte ist brüchig. Immer wieder spürt man ein Zögern, wenn er sich gegen die unerschrockene und unendlich traurige Antigone stellt, die "atmend in eine Felsenspalte eingemauert" werden soll.

Alles Pathos, alles Drama hier. Und das funktioniert. Antigone hat sich im Mauerspalt erhängt, und ihr Verlobter Haimon, Kreons Sohn, läuft im Kampf gegen den Vater, der mittlerweile nicht mehr in Unterhose, sondern im Anzug auf der Bühne steht, in den Tod. "Kein Mensch soll mich begraben", sagt der gebrochene König und zieht die Krawatte fester.

Nächste Vorstellungen: Burgtheater, 21. und 23.6.


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