Kunst Kritik

Narziss: Kunsthallendirektor als Posterboy

Lexikon | NS | aus FALTER 23/15 vom 03.06.2015

Die Gruppenschau "Urban Diary" wurde als Satellit zur Kunsthallenschau "Destination Wien 2015" geplant und bezieht sich auch auf die Frage der Selbstbespiegelung, die der Szeneschau inhärent ist. So ist die Performancekünstlerin Roberta Lima mit den zwei großen korrespondierenden Selbstporträts vertreten, in denen sie mal in femininer, mal in maskuliner Aufmachung posiert und dabei auf zwei Betonkuben steht -das Geschlecht als Klotz am Bein? Ironisch geht es Moussa Kone an: In seinem typisch ornamentalen Stil zeichnet er sich selbst beim Schlafen, mit abgewandten Blick vor einem Handspiegel und bei Klimmzügen, wobei er immer auch Elemente antiker Mythologie einbaut.

Wie viel Eitelkeit treibt Kuratoren an? Anna Ceeh und Iv Toshain haben Kunsthallendirektor Nicolaus Schafhausen fotografiert und eine Posteredition als Giveaway produziert. Die Künstlerinnen antworten damit auf die Brandingstrategie der Kunsthalle, dessen Wappentierlogo mit Adler alle Ausstellungswerbungen prägt. Am Plakat trägt Schafhausen nun ein T-Shirt mit dem Logo des Künstlerinnenprojekts und kann kniend auf einer Kirchbank davor betrachtet werden.

Zu diesem religiösen Möbel passt die Skulptur "Der ohnmächtige Versuch mein Denken in die Leere zu begleiten" von Heinz Frank, dessen zwei Holzbänke mit Fußskulpturen an die Passionsgeschichte erinnern. Herrlich auch seine zusammengehörigen Bilder "Hirnschatten - Porträt eines Selbstporträts mit leeren Schatten", wo ein Kopf gleich zwei Schatten wirft. Spiegelungen und das Vanitas-Motiv thematisiert Markus Krottendorfer in seinen speziell versilberten und in einem eigenen Display präsentierten Fotografien "British Museum", wofür der Künstler die Betrachter von Totenköpfen in Vitrinen festgehalten hat.

Charim Galerie, bis 6.6.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige