Buch der Stunde

Was wäre die Kunstwelt ohne Schwänze?

Feuilleton | Florian Baranyi | aus FALTER 24/15 vom 10.06.2015

Siri Hustvedts sechster Roman ist ein Buch der Masken und Täuschungen. In Form einer fiktiven, aus verschiedensten Texten (Notizen, Interviews, Rezensionen et cetera) bestehenden Anthologie über Leben und Werk der Künstlerin Harriet Burden werden die Leserinnen und Leser vom Herausgeber an die Geschichte von Burdens großem "Wahrnehmungsexperiment" herangeführt.

Burden, mittlerweile reiche Witwe eines Kunsthändlers, war sich stets gewiss, aufgrund ihres Geschlechts nicht anerkannt zu werden. Nach dem Tod ihres Mannes zieht sich die stupend belesene Egomanin zurück und beschließt, der New Yorker Kunstszene deren Sexismus und Blasiertheit nachzuweisen. Über Jahre hinweg lässt sie ihre Werke unter den Namen von drei männlichen Künstlern ausstellen. Gleichzeitig bereitet sie sich auf den Tag vor, an dem sie ihren Coup enthüllen wird. Ihr Kalkül geht vorerst auf: Die Werke werden von den Kritikern munter mit den Biografien der Strohmänner verwoben.

Harriet sieht sich bestätigt,


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