Film Festival

Von Susan Sontag bis zur "lustigen Adèle": Identities

Lexikon | Sabina Zeithammer | aus FALTER 24/15 vom 10.06.2015

Von 11. bis 21. Juni zeigt die 22. Ausgabe des Queer-Filmfestivals Identities über 90 Spiel-,Dokumentar-und Kurzfilme. Ein Porträt ist mit "Regarding Susan Sontag" der amerikanischen Autorin, Theoretikerin, Regisseurin und Medienikone gewidmet. Knapp nach ihrem zehnten Todestag nähert sich Nancy Kates der vielgereisten, unaufhörlich neugierigen und bisexuellen Intellektuellen auf breiter Basis: Sowohl die Themen ihrer Arbeit -von Camp und Kunst über Feminismus, Philosophie, Krieg und Krankheit bis zur Fotografie -als auch ihr Privatleben werden beleuchtet. Viele ihrer Exfreundinnen, ihre Schwester, ihr Sohn und andere Wegbegleiter geben - auch kritische - Einblicke in die Persönlichkeit Sontags, ergänzt durch Passagen aus ihren Tagebüchern und wichtigsten Werken sowie Filmausschnitte und TV-Interviews. Die chronologisch wie thematisch grob geordnete Doku weist einige durchaus fordernde Sprünge auf, die jedoch in keinem Widerspruch zu Sontags wechselvollem, intensivem Leben stehen.

Eröffnungsfilm ist Desiree Akhavans Komödie "Appropriate Behavior", die autobiografisch angehauchte Geschichte einer bisexuellen Iranerin in New York: Die junge Shirin (Akhavan selbst) muss nicht nur die Trennung von ihrer Freundin verarbeiten, auch Wohn- und Jobsituation müssen geregelt werden. Und während in einem Teil ihrer Lebensrealität "I thought you're straight" eine Beschimpfung darstellt, hat sie es auf der anderen Seite noch nicht geschafft, ihrer Familie die Wahrheit zu sagen. Mit großem Liebeskummer als Kernthema, um das sich Charme und Witz ranken, schuf Akhavan eine lustige Fassung von Abdellatif Kechiches "La vie d'Adèle": ein leichtfüßiges wie persönliches Debüt, das sich kein Blatt vor den Mund nimmt.

Bis 21.6. im Topkino und Filmcasino


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