"Noch ist alles im grünen Bereich"

Zum ausverkauften Arena-Open-Air: ein Gespräch mit Bilderbuch-Sänger Maurice Ernst

Lexikon | Interview: Gerhard Stöger | aus FALTER 24/15 vom 10.06.2015


Foto: Niko Ostermann

Foto: Niko Ostermann

Maurice Ernst ist ungewöhnlich schlicht gekleidet: verwaschenes schwarzes Shirt, aufgekrempelte Stonewashed-Jeans, braune Sandalen. Seinen Goldschmuck trägt der Sänger der Wiener Popband Bilderbuch – für das Lifestylemagazin GQ ist Ernst der gegenwärtig bestangezogene Österreicher – aber auch beim Interview. Am 18. Juni spielen Bilderbuch ein ausverkauftes Open-Air-Konzert in der Arena, am 10. Juli geben sie den Headliner des Festivals Harvest Of Art in Wiesen.

Falter: Herr Ernst, über wen möchten Sie diesmal schimpfen?

Maurice Ernst: Im Moment habe ich nicht viel Grund zu schimpfen, ich muss mir erst wieder neue Feinde suchen. Das letzte Falter-Gespräch war der richtige Moment dafür, aber wenn man immer schimpft, wird man nicht mehr ernst genommen. Ich werde es mir in Ruhe überlegen und dann beim nächsten Mal wieder schimpfen.

Tatsächlich haben Sie zur Veröffentlichung des Albums „Schick Schock“ die Veranstalter Skalar und Ö3 kritisiert. Jetzt treten Bilderbuch bei einem Skalar-Festival als Headliner auf, und Ö3 spielt Sie.

Ernst: Nach dem Interview hat ein Austausch stattgefunden, im richtigen Moment zu schimpfen zahlt sich also aus. Es ging uns darum, wahrgenommen zu werden, und das haben wir auch geschafft.

Die Tour zum Album war sehr erfolgreich, jetzt folgen die großen Open Airs. Macht der Rahmen einen Unterschied?

Ernst: Da geht es ein bisschen um Respekt. Wenn du dich auf ein ungezähmtes Pferd setzt, kann es schon passieren, dass es dich abwirft. Klar, auf eine kleinere Bühne geht man inzwischen mit großem Selbstbewusstsein, aber wenn die Bühne so dimensioniert ist, dass deine Bandkollegen irgendwo weit entfernt stehen, musst du dich damit erst einmal arrangieren.

Beherrschen Sie das Pferd schon?

Ernst: Man darf einem Pferd nie zu hundert Prozent vertrauen. Mittlerweile beherrschen wir es ziemlich, aber ich habe halt noch nicht so oft 3500 Leute mit einem Fingerschnippen bei mir gehabt, 500 bis 1000 aber schon zigmal. Eigentlich muss das Handwerk dasselbe sein, denke ich mir, daher sollte letztlich auch der Effekt gleich sein.

Welche fünf Acts spielen beim Festival Ihrer Träume neben Bilderbuch?

Ernst: Prince würde ich sehr gerne einmal live sehen und Kanye West mit dem Programm seines aktuellen Albums „Yeezus“. Dann könnte man aus Nostalgiegründen noch ein paar Helden von früher einladen, David Bowie und die Talking Heads etwa. Mit den Kings Of Leon als Lieblinge der Jugend wäre das Programm komplett.

Was war der schönste Bilderbuch-
Moment der vergangenen Monate?

Ernst: Den einen Moment weiß ich nicht. Ein sehr schöner Moment war, zu erfahren, dass wir auf Platz eins der Albumcharts stehen. Unser Bassist Peter und ich waren gerade gemeinsam unterwegs und haben dann zu zweit in aller Stille Pizza gegessen, eine Flasche Wein dazu bestellt und darauf angestoßen. Das haben wir davor unser ganzes Leben noch nicht gemacht. Unsere erste gemeinsame Flasche Wein – so ein privater Moment kann ganz groß sein.

Werden Sie mittlerweile auf der
Straße erkannt?

Ernst: Schon, ja. Wir haben grundsätzlich extrem angenehme Fans, das merkt man auch bei den Konzerten. An einem Freitagabend in Wien fortzugehen, darauf musst du dich allerdings mental vorbereiten. Bist du dir nicht ganz sicher, dass du fortgehen magst, dann lass es lieber bleiben. Letztens war ich bei einem Konzert, und ein Mädel hat statt der Band die ganze Zeit nur mehr mich angeschaut. Ohne ein Wort zu sagen. Ein bisschen seltsam ist das schon. Da wir natürlich mit diesem Pop-Appeal und dem Boyband-Ding spielen, muss man sich aber auch der Konsequenzen bewusst sein. Noch ist alles im grünen Bereich.

Woher rührt eigentlich Ihr Faible
für Goldschmuck?

Ernst: Phew, ich weiß nicht. Eigentlich ist Schmuck natürlich etwas Überflüssiges, aber wenn man ein Medizinmann ist, also ein Schamane, ist das ganz normal, glaube ich. Und Musiker sind das in unserer Gesellschaft ja, wenn sie eine Bühne betreten, singen und sich in Trance tanzen.

Hängt inzwischen auch eine goldene Schallplatte in Ihrem Wohnzimmer?

Ernst: Sie ist in Reichweite. Prinzipiell hätten wir sie auch schon in der Woche haben können, in der unser Album „Schick Schock“ erschienen ist. Wird eine entsprechend hohe Stückzahl ausgeliefert, gibt es im Handumdrehen Gold. Wir haben aber gesagt: Wir warten und bekommen sie lieber dann, wenn die Leute das Album auch wirklich gekauft haben.

Arena, Open Air, Do 19.00 (ausverkauft)
Harvest of Art Festival mit Bilderbuch, Belle and Sebastian, Wanda u.a.: 10.7., Wiesen


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