Gelesen Bücher, kurz besprochen

Defekte Demokratie

Politik | Werner A. Perger | aus FALTER 24/15 vom 10.06.2015

Seit sich herumspricht, dass die westliche Demokratie irgendwie unrund läuft und das eher im Kreis als vorwärts, mehrt sich die Krisenliteratur. Die Palette reicht von Colin Crouch ("Postdemokratie") über Georgio Agamben u.a. ("Demokratie? Eine Debatte") bis zu Wolfgang Streeck ("Gekaufte Zeit: Die vertagte Krise des demokratischen Kapitalismus"). Nun Wolfgang Merkel, Demokratieforscher am Berliner Wissenschaftszentrum, bekannt mit Arbeiten über "defekte Demokratien", als Herausgeber von "Demokratie und Krise". Darin sprechen er und seine Autorinnen trotz des Buchtitels lieber von "Herausforderungen der Demokratie" als von "Krise". Ist aber eigentlich egal: Denn ob die Herausforderungen sich zu Krisen verdichten, liegt ohnehin daran, ob die Demokraten damit fertig werden. Wenn nicht, fliegt ihnen der Laden eh um die Ohren. Gelehrter gesagt: Dann schwindet die Loyalität gegenüber den Institutionen der Demokratie. Und die Orbáns haben das Sagen. Hätten wir zwar auch so gewusst, ist hier aber klug und detailliert bewiesen.

Wolfgang Merkel (Hg.): Demokratie und Krise. Zum schwierigen Verhältnis von Theorie und Empirie. Springer, 506 S., € 61,68


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