So blau ist das Land

Eigentlich urschwarzes Kerngebiet, ist Hartl seit vorvergangenem Sonntag die blaueste Gemeinde der Steiermark. Was ist da passiert?

Steiermark | Erkundung: Gerlinde Pölsler, Donja Noormofidi | aus FALTER 24/15 vom 10.06.2015


Foto: Erwin Scheriau / APA / picturedesk.com

Foto: Erwin Scheriau / APA / picturedesk.com

Jenes Mail, das am 2. Juni um 20.15 Uhr bei ihm eingetrudelt ist, gibt dem Bürgermeister noch immer zu denken. Darin schrieb ein Mann, offenbar aus einem anderen Bundesland: Im Supermarkt gab es zwei Sorten Kernöl, eines davon aus Hartl. „Da war für mich klar“, so der Schreiber, „dass ich das andere nehme.“ Er wollte kein Kernöl aus der blauesten Gemeinde der Steiermark. Schon bei Besuchen am A1-Ring in Spielberg sei ihm aufgefallen, dass „es unter der Bevölkerung massiven Fremdenhass“ gebe. „Das ist nicht gut“, sagt der Bürgermeister, seine Stirn legt sich in Sorgenfalten. Dabei war Hermann Grassl, seit fast 30 Jahren schwarzer Bürgermeister in der oststeirischen Gemeinde Hartl, 2010 der erfolgreichste Bürgermeister des Landes. Damals stand es noch 9:0 – neun schwarze Gemeinderäte, null von anderen Parteien. Auch bei den Gemeinderatswahlen im März in der neuen, nun fusionierten Gemeinde hat Grassl – ein ruhiger, freundlicher Mann, nicht die Sorte Ortskaiser – noch 71 Prozent geschafft.

Und jetzt das: Im urschwarzen Kerngebiet wählten bei der Landtagswahl 44 Prozent FPÖ – das ist steirischer Rekord. Die ÖVP verlor dafür fast 28 Prozentpunkte. Auch die Nachbarorte Kaindorf („Ökoregion“) und Feistritztal sind jetzt tiefblau. Dabei hieß es doch immer, die SPÖ müsse am meisten vor den Freiheitlichen zittern. Nicht die schwarzen Bürgermeister im Apfelland, wo sich zwischen Hügeln und Maisäckern Buschenschenken verstecken und die Dörfer gute Chancen auf einen Pokal beim Blumenschmuckwettbewerb haben.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige