SING DICH FREI

In Wien formieren sich immer mehr Alternativchöre, deren Schlachtruf "Jeder kann singen" lautet. Und dann gibt es da auch noch die politische Message

Stadtleben | Orchestrierung: Birgit Wittstock | aus FALTER 24/15 vom 10.06.2015

Kurze Pause. Zischend werden Budweiser-Dosen geöffnet, Rotwein gluckert in Plastikbecher. Der Rauch ungezählter Selbstgedrehter hängt wie dichter Nebel in dem kleinen Kellerraum. Branislav, 48, Brane genannt, steht am Wuzzler. Ein Durcheinander von dunklen Haaren am Kopf, das schwarze T-Shirt klebt durchgeschwitzt an seinem Oberkörper. Eine Runde geht sich noch aus. Auf den abgewetzten Kunstledersofas in der Ecke drängen sich ein gutes Dutzend Frauen und Männer zusammen, rauchend, trinkend, durcheinanderredend. Zu ihren Füßen wedelt ein schwarzer Labrador. Fast alle tragen die gleichen T-Shirts: schwarz, mit einem roten Stern auf der Brust. Anstatt Hammer und Sichel drehen sich zwei Megafone aus seiner Mitte. Darunter steht in roten Lettern "Hor 29. Novembar".

Einige Minuten später schallt aus den offenen Kellerfenstern des Integrationshauses in der Leopoldstadt wieder lauter Gesang. Während drinnen 16 Männer und Frauen einen neuen Song anstimmen, ein paar Flüchtlingskinder begeistert


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