Theater Kritik

Theaterwettbewerb: Süßer Vogel Eskapismus

Lexikon | Veronika Krenn | aus FALTER 24/15 vom 10.06.2015

Für jene, die irgendwann Nimmerland hinter sich gelassen haben, eine Auffrischung: Peter Pan ist das ewige Kind aus James Matthew Barries gleichnamiger Geschichte um die Insel, auf der man nie erwachsen werden muss. "Für immer Peter Pan" lautet auch das Motto des Nachwuchs-Theater-Wettbewerbs des Theater Drachengasse. Vier Arbeiten haben es ins Finale geschafft.

Das erste Stück findet das Kind im Menschen in der Unternehmenswelt: "FairyDustTM" spielt in der Welt der Start-ups, wo eine App entwickelt wird, die von der Last des Denkens befreien soll. Michael, der sich für sein sechstes unbezahltes Praktikum nach dem Master bewirbt, versucht sich für die Probezeit zu qualifizieren. Da kann einem die Zeit für mündige Entscheidungen schon abhandenkommen.

Während sich in "Lost: girls and pirates and songs" zwei entzückende Performerinnen mit wechselnden Identitäten Geschichten erzählen, bis man leider den Faden verliert, dringt "ALB [When Alice met Peter]" in die Psyche vor. Depressionen werden zu witzigen Bildern, das hat Unterhaltungswert, lässt aber einen fahlen Geschmack zurück.

Die letzte Performance, "Meine Nase läuft", schürft in der Welt der Party-und Ekstasekultur: Banafshe Hourmazdi und Frederik Müller stecken im Unterholz fest. In Pfadfinderuniformen, Plateauschuhen und mit Gitarren begeben sie sich auf einen witzigen Streifzug durch die politische, aktivistische und queere Partyszene.

Betrachtet man die Arbeiten der Finalisten des Wettbewerbs, könnte man glauben, Peter Pans Insel, auf der man nie erwachsen werden muss, sei so schlecht nicht. Jedoch, das reine Aufzeigen eskapistischer Strömungen, so unterhaltend es durchaus sein mag, lässt nach mehr Substanz dürsten. Mehr Mut zur Mündigkeit wäre gefragt.

Theater Drachengasse, Fr, Sa, Di-Do 20.00


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