Phettbergs Predigtdienst

Es wachsen gewaltigste Pflanzen heraus

Kolumnen | Hermes Phettberg | aus FALTER 24/15 vom 10.06.2015

Plötzlich wollen SPÖ und FPÖ im Burgenland gemeinsam regieren. Heinz-Christian Strache (FPÖ) lässt sich seit 1. Juni als wärmender Stadtvater plakatieren. Die ganze Welt rückt nach rechts, ich weiß mir nicht weiterzuleben. Geh halt brav jeden Tag, soweit die Sonne scheint, wie jetzt, mit zwei Flaschen warmem Wasser, Gemüse, das im Kühlschrank vorrätig ist, und einem Mundtuch zum Mundabwischen hilflos und närrisch auf den Pintplatz frühstücken.

Im Moment denk ich viel über Jesus nach, dessen Stiefvater Josef, der Zimmermann, sicher sehr enttäuscht war, dass Jesus nicht zum Zimmermann sich eignete. Oft denk ich jetzt an den heiligen Josef und die Bibelstelle, wo Jesus sagt: "Wenn du alt bist, musst du gehorchen, wohin du gebracht werden wirst." (Joh. 21,18) Denn morgen kommt eine Ärztin, die die Volkshilfe und mich kontrolliert, wie weit meine gesundheitliche Entwicklung steht. Ich hatte ja quasi zuerst einmal begonnen, beim Psychiater Dr. Kenneth Thau mich analysieren zu lassen. Und nun ist es de facto die beste Heimhelfin, Frau Michaela Göbel, an deren Brust ich mich ausweinen darf. Jesus war der beste religiöse Mensch der Erde. Eine Klosterfrau träumte einmal tief im Mittelalter das Fronleichnamsfest, und das erfuhr ein Papst, und seither wird es genauso abgehalten, wie es im Traum der Klosterschwester stattfand: immer circa zwei Wochen nach dem Pfingstfest, weltweit. Und ich find es auch wunderschön, dieses Fest. Bei diesem Fest wird das Allerheiligste von Pfarre zu Pfarre durch den ganzen Staat getragen und soll Jesu Idee des geteilten Brotes mitteilen. Ob es jetzt Gott gibt oder nicht, das Fest ist schauspieltechnisch gewaltig!

Jesus wurde gezeugt von einem extrem schönen Jüngling, denke ich. Und der heilige Josef war ein herzlich sozialer Stiefvater. Der heilige Augustinus hatte ganz schlimme Familienverhältnisse und war ein ganz geiler Typ, ebenso der heilige Franziskus, der so raste, dass er sich nackt auszog und sein Gewand auf die Straße warf. Franziskus und Augustinus wurden dann ganz große Kirchenväter. Aus den ärgsten Familienverhältnissen wachsen gewaltigste Pflanzen heraus. In einem sind wir alle einig: Es gibt sicher keinen Teufel. Die Teufel sind wir.

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