Ohren auf Klassik

Mit der Ruhe ist's vorbei, ertönt erst der Tarzan-Schrei

Feuilleton | Miriam Damev | aus FALTER 24/15 vom 10.06.2015

Fast 40 Jahre liegen zwischen der Erstveröffentlichung von Steve Reichs "Music for 18 Musicians" und der auf HM erschienenen Neueinspielung durch das New Yorker Ensemble Signal. Sie zeigt, dass dieses große Werk des Urvaters der Minimal Music bis heute absolut nichts von seiner Faszination verloren hat. Hier wird die Musik zu ihrem eigentlichen Wesen zurückgeführt - dem pulsierenden Herzschlag, den tanzenden Rhythmen und der menschlichen Stimme. Bei Steve Reich klingt das wie das immer wiederkehrende Rauschen der Wellen, also ab ans Meer!

Das Arditti Quartet hat sechs Streichquartettsätze des österreichischen Komponisten Christian Ofenbauer für das Doppelalbum "Streichquartette 1997-2011" (Neos) eingespielt. Beim Hören ist neben absoluter Stille vor allem auch viel Geduld erforderlich. Ofenbauer ist ein Meister der leisen Töne, der zarte Klangschleier aus Glissandi, Tremoli und Flageoletts webt. Manchmal passiert in seinen Partituren minutenlang nichts. Möglichersweise hat das auch mit der Philosophie des Zen zu tun, der Ofenbauer seit langem zugetan ist. Ruhe und Versenkung sind da ja Weg und Ziel zugleich.

Wie lebendig zeitgenössische Musik klingen kann, lässt sich auf der mittlerweile dritten Produktion des Tiroler Kammerorchesters InnStrumenti mit dem Label Helbling nachhören: "Ma Le Fix" enthält neue Kompositionen für Kammerorchester und bietet einen Crossover zwischen der klassischen Form und Elementen des Jazz, Rock und Pop. Klex Wolf komponierte das wohl bis dato erste Werk für Fender-Piano, Hannes Sprenger vereint höchst virtuos die Klänge von Kammerorchester und einer Jazzkombo, Manu Delago lässt elektronisch inspirierte Beats und fetzige Schlagzeugklänge aufeinandertreffen, und Helmut Jasbars rhythmisch-rockige "Far Side Symphony" mündet in einen skurrilen Tarzan-Schrei.


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