450 Seiten Ungerechtigkeit mit Sinn für Humor

Der Mauretanier Mohamedou Ould Slahi sitzt immer noch im Gefangenenlager Guantánamo in Haft. Sein Tagebuch ist ein Beststeller

Politik | REZENSION: EMRAN FEROZ | aus FALTER 25/15 vom 17.06.2015

Wer "Das Guantánamo-Tagebuch" liest, wird schnell feststellen, dass es kein normales Buch ist. Viele Wörter, Sätze und Seiten sind geschwärzt. Sie fielen der US-amerikanischen Zensur zum Opfer. Zensur ist allerdings nur ein Teil dieses Systems. Und die größten Opfer sind keine Wörter, sondern Menschen. Mohamedou Ould Slahi, 44, ist einer von ihnen.

Das Martyrium des Mauretaniers nahm früh seinen Lauf. 2000 wurde Slahi, der einst gemeinsam mit der CIA und den afghanischen Mudschaheddin in Afghanistan gegen die sowjetische Marionettenregierung gekämpft hatte, das erste Mal verhaftet - von den eigenen mauretanischen Behörden.

Konkrete Beweise gab es nie. Sowohl Deutschland, wo Slahi studiert hatte, und Kanada, wo er für einige Zeit einer Arbeit nachging, bescheinigten ihm eine reine Weste. Aufgrund des Drucks seitens der USA musste die mauretanische Geheimpolizei ihn immer wieder verhören. Für Slahi wurde das zur Routine. Zu den meisten Beamten pflegte er ein freundschaftliches


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