Und wie siehst du das jetzt?

Die Neue Galerie Graz zeigt drei Ausstellungen, die der Bildwerdung von Landschaft nachspüren

Steiermark | TIZ SCHAFFER | aus FALTER 25/15 vom 17.06.2015

Das Universalmuseum Joanneum hat sich als heurigen Themenschwerpunkt "Landschaft" auserkoren. Unnötig zu erwähnen, dass es sich dabei um einen Begriff handelt, der unterschiedlichste Assoziationen hervorruft -der kunstsinnige Mensch mag zuallererst vielleicht an Landschaftsmalerei denken, dem Wandersmann fallen wohl die Idyllen der Natur ein. Die Bilder, die sich dazu im Kopf aufbauen, unterscheiden sich dann nochmals je nach Ort und Zeit.

"Landschaft: Transformation einer Idee" lautet der Titel einer groß angelegten Ausstellung in der Neuen Galerie, die mit Exponaten vorrangig aus der eigenen Sammlung danach trachtet, "die komplexen Wechselwirkungen zwischen der Darstellung von Landschaft einerseits und der Wahrnehmung bzw. dem Verständnis von Natur und Realität andererseits" für Besucher sichtbar zu machen. Die von Günther Holler-Schuster und Gudrun Danzer kuratierte Schau ist die Hauptausstellung eines Dreierpakets.

Flankiert wird sie von "Nordkoreanische Landschaften", dafür hatte der steirische Künstler Wolfgang Temmel einen eleganten Einfall: Da Nordkorea seine landschaftlichen Schönheiten bekanntlich nicht gerne herzeigt, hat Temmel einfach Google Earth bemüht und Satellitenbilder des Landes malerisch bearbeitet, bis diese schließlich zum Landschaftsbild mutierten. Auch der britische Künstler Darren Almond hat für "Amalfi Sketchbook" Vorlagen verwendet, in seinem Fall waren es Landschaftszeichnungen von Carl Blechen, einem Vertreter deutscher frührealistischer Kunst. Diese Skizzen hat Almond in Fotografien übersetzt, aufgenommen zumeist bei Vollmond.

Zurück zur Hauptausstellung: Sie stellt zwei Zeiträume gegenüber -zum einen die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts, zum anderen die Zeit von 1960 bis heute. Um "verblüffende Parallelen", aber auch Gegensätze deutlich zu machen. Eine Konstante: In jeder Epoche hatten die jeweiligen technologischen Errungenschaften stets auch starken Einfluss auf die Darstellungen der Umwelt, was letztlich nur einen Schluss zulässt: Abbildungen von Natur wie auch Landschaft sind immer nur "Konstruktionen von Wirklichkeit".

Während im Erdgeschoß der Neuen Galerie die Arbeiten aus dem 19. Jahrhundert postiert werden und anhand von Künstlern wie etwa Franz Steinfeld oder Friedrich Gauermann über Ideologisierung und Idealisierung von Landschaft sinniert wird, wird im Obergeschoß mit unzähligen Arbeiten, etwa von Hubert Schmalix oder Paul Virilio, beispielsweise über Naturerfahrung und Abstraktion reflektiert.

Neue Galerie, Graz, Eröffnung Do 19.00 (18.6.)


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