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Sprach-App: Wie sagt der Sachse zum Fußballspielen?

Medien | PRÜFBERICHT: THOMAS VAŠEK | aus FALTER 25/15 vom 17.06.2015

Rund 90 Millionen Menschen in Europa sprechen Deutsch. Aber die Wiener sagen "plaudern", die Bayern "ratschen", und in Norddeutschland sagt man stattdessen "klönen". Alle Wörter meinen dasselbe, nämlich eine Unterhaltung über alltägliche Dinge zu führen.

Die App "Gruezi, Moin, Servus" zeigt, wie sich Dialekte und Mundarten in Deutschland, Österreich und der Schweiz geografisch verteilen. In Form von Heatmaps auf einer Google-Karte bekommt man dargestellt, wo bestimmte Wörter besonders verbreitet sind.

So erfährt man zum Beispiel, dass "Fußball spielen" in Sachsen "bäbbeln" heißt, während man in der Schweiz "tschutten" sagt. Zugleich kann sich der Nutzer anhand seiner sprachlichen Eigenheiten selbst verorten.

Außerdem spielt die App Aufnahmen von regionalen Sprechern ab, und wer mag, kann auch das eigene Deutsch aufnehmen und die Sprachprobe anderen Nutzern zur Verfügung stellen. Entwickelt hat die App übrigens der Schweizer Sprachforscher Adrian Leemann. Er hat dabei auch einen Hintergedanken: Die App dient nämlich auch wissenschaftlichen Zwecken.

So kann man selbst an Experimenten zur Erforschung von Dialekten und Regionalsprachen teilnehmen. Die App (99 Cent) macht nicht nur Spaß, sie vermittelt auch einen Eindruck, wie lebendig und vielfältig Sprache ist -und das mitten in Europa.

Thomas Vašek ist Journalist und Buchautor in München


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