Film Neu im Kino

Es fehlt der Glaube: "Zweite Chance"

Lexikon | SABINA ZEITHAMMER | aus FALTER 25/15 vom 17.06.2015

Der Polizist Andreas und seine Frau Anna führen ein glückliches Leben: Als frischgebackene Eltern freuen sie sich über Baby Alexander, nur an das nächtliche Schreien müssen sie sich noch gewöhnen. Umso mehr geht Andreas der Fall von Tristan und Sanne nahe, die ihr Baby vernachlässigen. Doch die Beweise gegen den gewalttätigen, Drogen konsumierenden Exhäftling und seine Junkie-Freundin reichen nicht aus, um ihnen das Kind wegzunehmen. Kurz darauf von einem furchtbaren Schicksalsschlag erschüttert, fällt Andreas eine folgenschwere Entscheidung.

"Zweite Chance" der dänischen Regisseurin Susanne Bier nach einem Drehbuch von Anders Thomas Jensen ist als Verquickung von Thriller, Familien-und Sozialdrama eine düstere Geschichte um Recht und Unrecht, Verbrechen und Abgründe. Bereits die ersten Bilder des Films, ein kurzes Aufblitzen zukünftiger Szenen, kündigen eine große Tragödie an. Eine kühle Erzählung -allein "Game of Thrones"-Star Nikolaj Coster-Waldau bildet als liebender Vater das Herz des Films - steuert auf die Wahrheit dahinter zu, der Preis für das moralisch diffizile Konstrukt ist jedoch ein schwerer Mangel an Glaubwürdigkeit: Um die bröckelnde Plausibilität zusammenzuhalten und das Geheimnis möglichst lange zu verbergen, sind holzschnitthafte, nur halb ausgeleuchtete Charaktere und blutleere, empathielose Beziehungen vonnöten, die das Publikum emotional vor den Kopf stoßen.

Die Auflösung jagt den Zusehern dennoch einen kalten Schauer über den Rücken und erlöst die geknebelten Schauspieler von ihrer geheimniskrämerischen Zurückhaltung. Unterm Strich hinterlässt "Zweite Chance" aber nicht mehr Eindruck als eine Folge durchschnittlicher US-amerikanischer Krimi-TV-Serien.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Votiv)


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