Phettbergs Predigtdienst

Dann wäre er heute nicht so verkommen

Falter & Meinung | aus FALTER 25/15 vom 17.06.2015

Mein Urgroßvater, Josef Fenz, war der Schafhirte von Obern alb. In Obernalb sind viele Weingärten, und der Hirte muss aufpassen, dass kein Schaf auch nur eine Weinperle sich wegschnappt. Er läuft total viel und voller Sorgfalt durch die Gegend, um aufzupassen. Mein Urgroßvater muss also viel körperliche Bewegung gemacht haben, wovon heute noch mein Körper erbt. Denn ich bin unendlich faul und überlebe nur dank meiner Vorfahren. Der Großvater dann, ebenfalls Josef Fenz, fuhr mit dem Zug nach Wien, um dort Essigsieder zu sein, einmal in der Woche hin und her. Ich vermute, vielleicht fiel er total in den Nazi-Wahn hinein. Dessen Sohn, ebenfalls ein Josef Fenz, verkroch sich am Dach des Hauses und wurde "Der Bodenkater" genannt. Ich, hintenherum gedacht jetzt, bin ja stockschwul, und vielleicht hatte mein Vata auch eine kleine Schwulität bereits in sich gehabt? Denn meine Mama hatte zuerst Herrn Theodor Paier senior geheiratet, und der kam in Russland im Zweiten Weltkrieg um, Vata dürfte also kein besonderes Begehren an Frauen gehabt haben? Denn erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, als er aus der Kriegsgefangenschaft in Griechenland als Krüppel zurückkam, musste Mama um ihn werben. Die Eltern der Mama waren viel reicher als die Familie des Vatas, die Mutter des Vatas war zuerst einmal Magd im Hause Widhalm, dem Elternhaus der Mama. Mein mütterlicher Großvater, Josef Widhalm, kaufte sich schon ein Grammofon und spielte damit viel Musik ab.

Wie dem Heiligen Vater Franziskus scheint meiner Mama keine Watsch'n an Kindern zu arg gewesen zu sein, denn mein Vata hat mich mein Leben lang nie geschlagen, und die Mama war deswegen zornig auf ihn, Zitat: "Wennst ihm auch ab und zu eine Watsch'n gegeben hättest, wäre er heute nicht so verkommen!"

Die heilige "Maria Muttergottes" sagte ja auch, wie soll ich ein Kind bekommen, wenn ich doch keinen Mann erkenne? Der dann zum heiligen Josef geadelte hatte sein Kind sorgfältig behandelt. Ich war auch ein glückseliges Kind, hatte zweimal fest gebetet: erstens, dass ich kein Nutscha (Schweinchen) wurde, sondern ein Mensch, und zweitens, dass ich keine Kleiderpuppe geworden bin, sondern ein bewegliches Ding.

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