Stürzt der Kapitalismus?

"Säkulare Stagnation" - plötzlich denken auch respektierte Ökonomen über das Ende des Kapitalismus nach

Politik | ESSAY: ROBERT MISIK | aus FALTER 25/15 vom 17.06.2015

Ein Phänomen geistert durch die Ökonomenwelt: das Gespenst vom Niedergang des Kapitalismus. Lawrence Summers, der ehemalige amerikanische Finanzminister und spätere Investmentzampano nennt es "secular stagnation" (wobei "secular" in dem Zusammenhang heißt: langanhaltend, von nun an die Zukunft prägend); Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman spricht vom "permanent slump" (permanenten Niedergang); selbst auf den Seiten des Magazins Forbes fragt man sich schon: "Is capitalism dying?"; der Starökonom James K. Galbraith konstatiert zumindest ein "end of normal", dass also das, was wir seit 300 Jahren, als wäre es eine Normalität, mit dem Kapitalismus gleichsetzen -Wachstum, Wohlstandsausweitung und Ähnliches -, nunmehr an sein Ende kommt.

Und selbst in braven Verlagen mit Wirtschaftsschwerpunkt, wie dem Frankfurter Campus-Verlag, erscheinen neuerdings Bücher mit Titel, vor denen noch vor zehn Jahren selbst die wirklichkeitsfremdesten Linksradikalen zurückgeschreckt wären: "Stirbt


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