Kunst Kritik

Gestapelte Hinterteile von Karusselpferden

Lexikon | aus FALTER 25/15 vom 17.06.2015

Der legendäre, 2013 verstorbene Kunsthändler Reinhold Hofstätter hat jahrzehntelang Kunst und Antiquitäten zusammengetragen, die vom 14. Jahrhundert bis in die klassische Moderne reichen. Als nun sein Sohn Anton Ende letzten Jahres den Kunstraum Hofstätter Projekte aufmachte, geschah das auch zum Zweck, eine zeitgenössisch-künstlerische Beschäftigung mit dieser Sammlung voranzutreiben. Die bis dato dritte Ausstellung "Objets Trouvés" geht jetzt in medias res: Die eingeladenen Künstler Hannes Böck, Kerstin von Gabain und Guido Kucsko haben sich der über 5000 Objekte starken Kollektion mit der Kamera genähert und höchst unterschiedliche Sichtweisen darauf entwickelt.

Voller Pathos und Eindruck schindend geht es Guido Kucsko an, der die janusköpfige Barockbüste "Leid und Bestürzung" ins Zentrum stellt. Dank digitaler Technik tauchen die beiden expressiven Gesichter des Kopfes in großformatigen Fotografien von Wasserfluten auf.

Hannes Böck schlägt mit seinen analogen Fotoarbeiten nachgerade den gegenteiligen Weg ein: Er zaubert nicht das besondere Kunstwerk hervor, sondern bringt aus Hofstätters Lager Aufnahmen von aufgetürmten Stühlen, gruppierten Karusselpferden oder einarmiger Heiligenfiguren mit. Böcks Bilder verströmen einen zeitlosen Charme à la Henri Cartier-Bresson und lassen bisweilen auch an das Erzählerische surrealistischer Fotokunst denken.

Konzeptuell streng wirken dagegen Kerstin von Gabains Serien, die etwa das unterschiedlich arabesk geformte Bugholz der Rückenlehnen von Thonet-Stühlen oder die oberen Kanten von Barockschränken zeigen. Rätselhaft indes die Titel: Warum die Stühle "Verbrecher" und die edlen Kästen "Prostituierte" heißen, bleibt offen. NS Hofstätter Projekte, bis 17.7.


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