Musik Tipp Pop

Lässig statt lustig: die Crocodiles auf Deutsch

Lexikon | aus FALTER 25/15 vom 17.06.2015

Im deutschen Schlager der 1970erund 1980er-Jahre war es ein eigenes Subgenre, das sich unter Plattensammlern bis heute großer Beliebtheit erfreut: internationale Popsongs, die mehr oder weniger elegant ins Deutsche übertragen wurden. Das hatte natürlich Bauchfleckpotenzial nicht zu knapp, es konnte aber auch so berührende Ergebnisse zeitigen wie "Fieber", Daliah Lavis Chansonaneignung des Standards "Fever".

Bisweilen haben sich englischsprachige Musiker gleich selbst um deutsche Versionen ihre Lieder gekümmert. Abba lösten diese Aufgabestellung professionell, bei den Beatles hieß es, charmant, charmant, "ikk will mit dir gehn /komm gib mir deine Hand!" Elvis Presley stolperte "zum Städtele hinaus" und Johnny Cash stellte die legendäre Frage "Wo ist Zuhause Mama". Den Vogel aber hat David Bowie mit seiner bizarr-rührenden Eindeutschung von "Heroes" abgeschossen: "Schüssä reißen die Luft /doch wir küssä /als ob nit geschieht."

Ungleich professioneller nähern sich dieser Aufgabenstellung nun die Crocodiles, ein für seine ganz eigene Mixtur aus Krautpunk, psychedelischem Dancerock und New-Wave-lastigem Synthiepop mit Schmutz unter den Fingernägeln bekanntes US-Duo. Mit freundlicher Übersetzungsunterstützung durch Dee Dee von den Dum Dum Girls haben sie "Foolin Around", ein Lied ihres neuen Albums "Boys" als "Dieses Durcheinander" so frei wie überzeugend ins Deutsche übertragen. Um den Gesang hat sich gleich die mit der deutschen Sprache vertraute Dee Dee selbst gekümmert, wodurch das Ergebnis weniger lustig, sondern vielmehr lässig klingt.

"Dieses Durcheinander" erscheint in limitierter Auflage als hübsch gemachte Vinylsingle auf dem neu gegründeten Label Reich &Föhn, mit dem die gleichnamigen Wiener Konzertveranstalter nun auch in Tonträgern machen. GS Fluc, Di 22.00


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