Prost! Lexikon der Getränke. Diese Woche: der Hansl

Der Rest im Glase: Einer hat immer den Hansl

Stadtleben | MS | aus FALTER 25/15 vom 17.06.2015

Den letzten Schluck im Bierglas nennt man in Wien Hansl. Er ist meist schon warm und abgestanden und man trinkt ihn nicht so gerne. Vielleicht ist er das Pendant zum Anstandsstück - das merkwürdige Phänomen des letzten Brötchens auf dem Tablett. Dabei ist es nicht so, dass man warmes Bier nie schätzte.

In den 1980er-Jahren kamen sogar sogenannte Bierwärmer auf den Markt. Dabei handelt es sich um längliche Nirostazylinder, die man mit warmem Wasser befüllt und eine Zeitlang in das Bierglas hängt. Es hieß, dass solcherart erwärmt die Aromastoffe des Bieres besser zur Geltung kommen würden. Durch die Wärme entweicht auch die Kohlensäure im Bier schneller, was für manche einen bekömmlichen Effekt zu haben scheint. Fans des Schweizerhauses wissen, wovon hier die Rede ist, im Prater wird kohlensäurearmes Budweiser langsam gezapft.

Schuld an der Kohlensäure ist die Hefe; sie löst den Prozess aus, bei dem das Malz seine wundersame Wandlung in Alkohol und Kohlensäure erfährt. Kohlensäure braucht es auch, damit eine Bierkrone geformt werden kann.

Eine ordentliche Bierkrone ist für viele das Symbol für Frische und Appetitlichkeit. Dafür sind der richtige Eiweißgehalt des Getreides und schließlich ein fettfreies Glas notwendig. Fett verringert nämlich die Oberflächenspannung der Kohlensäurebläschen, wodurch diese schneller platzen. Dem Hansl ist alles egal, warm und schal geworden verschwindet er im Abfluss.


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