Mediaforschung Verführungskolumne

Familie im Herzen, Fleischlaberl im Darm

Medien | BENEDIKT NARODOSLAWSKY | aus FALTER 25/15 vom 17.06.2015

Wie wenig Zutaten es für eine gelungene Kampagne braucht, zeigt McDonald' s mit seinem Vatertagsplakat. Die Basis ist die Konzernfarbe Rot, dazu bloß ein Fotoausschnitt eines Mannes mit Happy-Meal-Tüte und eine Prise Worte: "Papa des Monats".

Schon spielt es Familienfilm im Kopfkino: Der Vater kommt mit dem Mäci-Sackerl nach Hause, das Kind fällt ihm vor Dankbarkeit um den Hals. Prompt stopft es Pommes und Burger in sich hinein und lacht mit herzkranzgefäßverfettenden Nahrungsresten zwischen den Zähnen glücklich auf, während es aus dem Sackerl das Billigspielzeug zieht, das es morgen genauso gelangweilt entsorgen wird. McDonald's wirkt auf Kinder wie Magie. Im Buch "Brandwashed" erzählt Marketingfachmann Martin Lindstrom, Kinder würden schon im Alter von eineinhalb Jahren das McDonald's-Logo erkennen. Der Milliardenkonzern ködere gezielt Kinder, die immer früher Medien verwenden und der Werbung ausgesetzt sind. Die Filialen sind wie für die Kleinen gemacht. Quengelnder Nachwuchs wird im Eiltempo mit salzigem Essen und süßer Limonade ruhiggestellt. Den Zuckerschock können sie schließlich auf dem Spielplatz verarbeiten.

Das aktuelle Sujet ist klar, schnell verständlich, emotional und witzig - ein Best-Practice-Beispiel für Plakatwerbung. Kein Wunder, schließlich hat die Fleischlaberlkette alles, was man für erfolgreiche Kampagnen braucht: genug Kohle, um die Werbemaschine auf Volltouren zu bringen. Und ausreichend Fett, um sie zu schmieren.


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