Enthusiasmuskolumne Diesmal: die kaputtesten Cops der Welt der Woche

Vollgas, vollfett, voll in die Fresse

Feuilleton | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 26/15 vom 24.06.2015

In "The Pink Panther" zieht Steve Martin die bekannte "Good Cop, Bad Cop"-Routine ab. Leider hat ihm niemand gesagt, dass man dafür eigentlich zwei Polizisten braucht. Mittlerweile hat der gute Bulle aber ohnedies ausgedient, und Polizeiserien spielen grundsätzlich in einer moralisch-legistischen Twilight Zone.

In der ersten Staffel von Nic Pizzolattos "True Detective" zeichneten sich die von Matthew McConaughey und Woody Harrelson dargestellten Ermittler durch ein gerüttelt Maß an Verhaltensoriginalität aus, das mit dem Good-Cop-Codex nur selten in Einklang zu bringen war. Verglichen mit Ray Velcoro (Colin Farrell) nehmen sich die beiden aber wie zwei psychisch stabile Trennkostler aus. Ein paar schlechte Angewohnheiten seien schon okay, meint der Arzt mit Blick auf Velcoros Blutwerte. Es sollten bloß nicht alle auf einmal sein.

Die soeben auf Sky angelaufene zweite Staffel der Serie ist von Louisiana nach Kalifornien in das 93 -Einwohner-Industriekaff Vinci übersiedelt. Die geplante Errichtung einer Schnellbahnstrecke treibt Grundstücksspekulation und Korruption zu üppigster Blüte. Wo "Breaking Bad" den Prozess des moralischen Verfalls zeigt, da ist hier von Anfang an alles gelaufen: "You were not strong enough to stay decent", meint Rays Exfrau zu ihm.

Am Ende der ersten Folge treffen die Cops, die gemeinsam an dem Mordfall arbeiten werden, erstmals zusammen: der Afghanistan-Veteran Paul, der soeben einen Suizidversuch in letzter Sekunde abgebrochen hat (Taylor Kitsch), die ebenholzharte Hippietochter Ani (Rachel McAdams), die gerade aus dem Casino geflogen ist, und Ray, der seinen Schlagring gerade für eine Privatvendetta missbraucht hat. Eines steht mithin fest: Kindergeburtstag wird das keiner.


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