Tiere

Achtung!

Falter & Meinung | aus FALTER 26/15 vom 24.06.2015


Zeichnung: Bernd Püribauer » zur Tier-Galerie

Es geht halt nichts über eine grelle Schlagzeile: „Killer-Gelsen greifen an“ titelte Österreich noch vergleichsweise moderat, während Heute von einem „Angriff der Horror-Gelsen“ wusste. Die Asiatische Tigermücke (Stegomyia albopicta) „kann“ Krankheiten übertragen, an denen man bei unglücklichem Verlauf wiederum sterben „könnte“. Na ja. In Deutschland verletzten Kühe letztes Jahr mehr als 10.000 Menschen, vier davon starben sogar, ohne dass eine Killer-Kuh-Invasion ausgerufen wurde. In Österreich ist die häufigste Todesursache laut Angaben der Statistik Austria ein Herz-Kreislauf-Versagen. „Killer-Blutgefäße ermorden jeden zweiten Österreicher“, das wäre einmal eine Schlagzeile, die ich korrekt fände!

Offenbar hat der Tourismusverband interveniert, denn der moderne Reisende wird von Ländern geradezu angezogen, in denen seine Extremitäten gebissen, gestochen, genesselt und sonst wie geschunden werden. Australien brüstet sich mit dem Titel „Gefährlichster Kontinent der Welt“, kann aber bei genauerer Betrachtung außer Haien, Krokodilen, Schlangen und ein paar wirbellosen Tieren mit Giftdrüsen keine besonders hinterfotzigen Lebewesen herzeigen.

Hitparaden der gefährlichsten Tiere sind zwar in den Medien sehr beliebt, woher diese ihre Informationen beziehen, bleibt aber rätselhaft. Nilpferde töten mal 100 (Presse). mal 500 (Kurier) Menschen pro Jahr.

Manchmal sind auch die süßen, kleinen Tiere unerwartet gefährlich: Die USA setzen Streifenhörnchen auf die Watchlist. Beim Erbetteln von Futter, klettern die Nager oft auch in die Hosenbeine und kratzen die daraufhin veitstanzenden Touristen mit ihren scharfen Krallen, was zu „dangerous infections“ führt.

Südamerika ist besser als sein Ruf. Im Orinoco und im Amazonas gibt es zwar elektrische Aale, die mit 600 Volt Spannung und zwei Ampère Leistung auch menschliche Birnen zum Glühen bringen, aber die beiden Flüsse sind ja nicht unbedingt Top-Badeziele. Blutsaugende Fledermäuse der Gattung Desmodus vergreifen sich nur an Pferden und Rindern und um eine Piranha-Attacke zu provozieren, müsste man schon mit einer sehr schweren Form von Zahnfleischbluten und offener Akne ins Wasser steigen.

Wenn Österreich nicht auch in diesem beinharten, globalen Wettbewerb völlig absandeln will, dann muss es seinen Gästen mehr bieten als Gelsenstiche und Spinnenbisse.


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