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Neun Grazer Kunsteinrichtungen wollen als Offener Betrieb aus Menschen richtige Künstler machen

Lexikon | Tiz Schaffer | aus FALTER 26/15 vom 24.06.2015

Dass es Graz gut zu Gesicht stehen würde, wenn es hier eine Kunstakademie gäbe, das ist eine Diskussion, die läuft schon seit also jedenfalls schon sehr, sehr lange. Eine Akademie gibt es bis heute nicht. Aber es gibt etwas anderes, es nennt sich "Offener Betrieb", eine Initiative von neun Grazer Kunsteinrichtungen. Von der Akademie Graz über das Forum Stadtpark und das Künstlerhaus bis zum Freien Atelierhaus Schaumbad.

Die haben sich nun Folgendes gedacht: Wenn wir schon kein fix verankertes Haus bekommen, machen wir trotzdem einen auf Ausbildung, aber halt ein wenig anders. Das hört sich offiziös dann so an: Der Offene Betrieb versteht sich als experimentelle Plattform, die eine "selbstbestimmte Wissensproduktion sowie deren Umsetzung in gemeinschaftliche Ressourcen" ermöglicht. Heißt also: Jede der Einrichtungen steuert bei, was sie kann, dass so wie heuer ein zweiwöchiges Programm aus Workshops, Lesegruppen, Performances, Vorträgen, Präsentationen und öffentlichen Seminaren zusammenkommt, das diese Woche startet und gemeinsam mit nationalen wie internationalen Künstlern und Theoretikern gestaltet wird. Wie außeruniversitär Wissen auf akademischem Niveau produziert wird, konnte man erstmals Anfang letzten Jahres erleben, nun geht die Serie also in die zweite Staffel. Aber bitte Vorsicht: Wer sich nun letztes Jahr das Programm zu Gemüte geführt hat und vielleicht auch an Workshops teilgenommen hat, der darf sich noch nicht hochoffiziell "Künstler" nennen. Was der Offene Betrieb derzeit versucht, ist eher, sich an einen Modus Operandi einer Ausbildung heranzutasten, der unter Umständen zukunftsträchtig ist. Dieses Jahr unter dem Motto "Bewegliche Netzwerke".

Nach dem offiziellen Eröffnungsbrimborium am Donnerstag geht es los mit einer Performance der zweiten liga für kunst und kultur. Ab dann gibt es so gut wie jeden Tag Programmpunkte, die jeweils von einer der mitwirkenden Einrichtungen "gehostet" werden. Einiges davon, wie Filmvorführungen, Gespräche, aber auch Grillagen finden im Freien statt. Am 8.7. (Tummelplatz) und am 15.7. (Griesplatz) wird eine Open Stage installiert - wer meint, er müsse der Gesellschaft etwas mitteilen oder vorführen, der ist dort richtig.

Neben weiteren Performances, Vorträgen und kleineren Präsentationen sind das Herzstück des Offenen Betriebs aber die Workshops. Man findet sie auf http://offenerbetrieb.mur.at. Der Offene Betrieb findet übrigens im Rahmen des heurigen Architektursommers statt.

Graz, 2.-18.7., Eröffnung am Do um 19.00 im Forum Stadtpark


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