"Ich will mit Steinen schmeißen"

Der Wiener "Kabinenparty"-Rapper Skero präsentiert beim Donauinselfest sein neues Album

Lexikon | Interview: Gerhard Stöger | aus FALTER 26/15 vom 24.06.2015


Foto: Michael Winkelmann

Foto: Michael Winkelmann

Das Beste am Donauinselfest sei die FM4-Bühne, meint der Rapper Skero. Doch der Weg dorthin will gelernt sein: Wer mit der U1 anreist, bleibt ziemlich sicher in den Menschenmassen stecken, wer via S-Bahn von der anderen Seite kommt, ist ratzfatz bei der Alternative-Bühne von Europas größter Freiluftparty, die am Wochenende zum 32. Mal stattfindet. Am Samstag sorgen Wanda für den offensichtlichen Höhepunkt des dreitägigen Gratisfestivals, das heimliche Highlight findet am Freitag statt: Fünf Jahre nach dem Hit „Kabinenparty“ präsentiert Skero da sein neues Album „Der Riese im Glashaus“.

Falter: Haben Sie das legendäre Falco-Konzert auf der Donauinsel gesehen?

Skero: Leider nur auf DVD. Ich habe Falco überhaupt nie live gesehen, wie auch immer ich das geschafft habe. Beim letzten Ambros-Konzert auf der Insel war ich aber dabei.

Wie fanden Sie es?

Skero: Die Stimme spielt halt nicht mehr ganz mit, aber er macht es eh gut. Auch wenn viele herummäkeln: Ambros ist super. Wenn er einmal ins Gras beißt, werden alle jammern und „der größte österreichische Künstler“ und was weiß ich was sagen.

Am Freitag erscheint Ihr neues Album „Der Riese im Glashaus“, am Abend präsentieren Sie es beim Donauinselfest. Was ist da geplant?

Skero: Normalerweise spiele ich sehr klassisch nur mit einem DJ. Bei größeren Geschichten wie auch dem Donauinselfest kommt noch ein Teil der Blasmusikkapelle Purkersdorf dazu, den ich „Die Brasshoppers“ getauft habe. Die Beats liefert aber immer der DJ, denn Hip-Hop lebt von der Vielfalt an Drumsounds, und die geht bei einem Live-Schlagzeug immer ein bisschen verloren.

Wie lebt es sich im Glashaus?

Skero: Unbeschwert. Ich sehe das Glashaus als Synonym für Europa und die Insel der Seligen, auf der wir leben. Wir haben hier die Möglichkeit, uns Gedanken zu machen über die Welt und wie man sie ändern könnte. Andere Leute sitzen in Gebieten, wo es nur mehr ums Überleben geht. Das Album ist ein bisschen angriffiger angelegt als der doch sehr persönliche Vorgänger. Es richtet sich eher an die Welt als an irgendwelche anderen Rapper.

Was wollen Sie der Welt sagen?

Skero: „Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen schmeißen“, heißt es. Ich will aber sehr wohl mit Steinen schmeißen. Ein paar Nonsensnummern gibt es zwar auch diesmal wieder, vorrangig geht es aber um Gesellschaftskritik, um Kritik am Überwachungsstaat, um das Geldsystem, den ganzen Religionswahnsinn, um Fremdenfeindlichkeit und auch um Umweltthemen. Zu Zeiten des letzten Albums war die Welt noch ein bisschen entspannter, scheint mir.

Zuletzt haben Sie mit der Gruppe
Müßig Gang einen Ausflug ins neue Wienerlied unternommen. Was macht mehr Spaß, das oder der Hip-Hop?

Skero: Ich versuche immer, mich selbst nicht zu langweilen, deswegen mache ich viele verschiedene Sachen. Ich singe gerne, aber ich gebe auch gerne mit Rap Gas. Für mich ist ein Rapauftritt natürlich um einiges anstrengender, weil ich eineinhalb Stunden durchpowern muss, während ich bei Müßig Gang auf einem Barhocker sitze und es mir gutgehen lasse. Aber Spaß macht beides.

Weniger Spaß machten zuletzt die Wahlergebnisse. Was ist Ihre Prognose für Wien, wird Strache Bürgermeister?

Skero: Solange Häupl nicht freiwillig geht, glaube ich nicht, dass ihm den Posten irgendwer streitig machen kann. Und sicher kein Strache – es würde mich echt wundern, wenn die Wiener so dämlich wären. Ihnen muss doch klar sein, dass es der FPÖ ausschließlich um Macht geht und nicht um Politik oder darum, etwas für den Bürger zu erreichen! Das hat sie in der Ära Schwarz-Blau ja bewiesen. Mit Angst konnte man leider immer schon super Stimmenfang betreiben, aber ich glaube Strache nicht einmal, dass er Ausländer nicht mag. Da geht es einfach nur darum, die Angst der Menschen auszuschlachten und zu benützen, um so viel Macht wie möglich an sich zu reißen.

Mit der Wiener SPÖ und der Macht ist das freilich auch so eine Sache.

Skero: Natürlich ist die SPÖ auch ein Scheißdreck, aber ein Typ wie der Häupl kann sich artikulieren, und er sagt vernünftige Sachen. Er sei immer angesoffen, heißt es, aber von ihm kommen selbst nach drei Dopplern noch leiwandere Sachen als von Faymann nüchtern.

Strache wird bisweilen als Rapper auffällig. Wie beurteilen Sie seine Skills?

Skero: Was heißt Skills? Wenn ihm irgendwer einen Text schreibt und ein Studiotechniker sein Bestes gibt, kann jeder ein Rapper sein. Wäre es nicht so traurig, könnte man sich darüber abhauen, es hat ja einen gewissen Unterhaltungswert. Aber es ist natürlich fürchterlich, dass sich die FPÖ eine schwarze Kultur für die rassistische Scheiße aneignet, die sie verzapft.

Donauinsel, Fr–So (Skero: Fr 21.35)
Information: 2015.donauinselfest.at


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige