Stadtrand Urbanismuskolumne

Und der Zirkus verlässt die Stadt

Stadtleben | aus FALTER 26/15 vom 24.06.2015

Es war nur eine Frage der Zeit, wann das Thema vor der Wien-Wahl auftauchen würde: die Wagenburgen. Seit mehr als sechs Jahren kämpfen die Stadtnomaden mit diversen Bezirksvorstehern, Pächtern und der Stadtregierung, um Letzterer Grund und Boden abzuringen, auf dem sie ihre Wohnfahrzeuge langfristig parken dürfen. Bislang vergebens. Aktuell ist es die Truppe Treibstoff, die ihren Standort in der Krieau räumen soll. Die Wagenplatzler sehen sich als Gentrifizierungsopfer, vermuten als Grund für die Räumungsklage den Ausbau des angrenzenden schicken Viertels Zwei.

Klar könnte man sich nun fragen, mit welchem Recht diese Leute günstiges Land von der Stadt fordern - könnte ja jeder kommen! Sollen sie doch gefälligst in normale Wohnungen ziehen! Doch ist es nicht Wien, das sich so gerne als anders, als Förderer der Heterogenität bewirbt und Weltoffenheit vor sich her trägt? Eben dieses Wien fördert zwar brav Hipsterinstallationen und Kreativität im öffentlichen Raum, schafft es aber gleichzeitig nicht, Toleranz aufzubringen, sobald es um unangepasste Entwürfe geht.


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