Und alles Holz, es wird zu Eis

Noch mehr Eis: Eine italienische Gelateria-Kette startet in Österreich

Stadtleben | EISLOKALKRITIK: FLORIAN HOLZER | aus FALTER 26/15 vom 24.06.2015


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Josef Fischer kommt aus Tirol, Georg Grün aus Kärnten, beide machten und machen in Aluminium und Holz. Und beide Herren tragen seit einer Woche graue Schürzen, haben ein graues Kapperl auf dem Kopf und erzeugen Gelato. Nein, kein Fall von sozialem Abstieg und Beispiel für das unternehmerfeindliche Klima in Österreich, vielmehr wollten die beiden das seit zwei Jahren so.

Da hatte Georg Grün am Gardasee nämlich ein Meeting mit einem Geschäftspartner, danach noch Lust auf ein gutes Eis, der Italiener schickte ihn in ein Lokal namens Gelateria La Romana dal 1947, wo der Kärntner sodann ein spontanes Eis-Erweckungserlebnis hatte. Und so was auch in Österreich machen wollte.

Okay, die beiden nahmen Kontakt mit der italienischen Familie auf, die diese Kette in Rimini gründete und es bisher auf etwa 40 Franchise-Filialen, hauptsächlich in Italien, brachte. Sie lernten im Stammhaus Eis zu machen, suchten dann zuerst in Klagenfurt ein Lokal für einen Flagship-store im deutschen Sprachraum, entschieden sich dann aber doch für Wien – und hier für die unlängst geschlossene Designerblumenhandlung in der Stiftgasse.

Es kam der italienische Architekt, machte aus dem Blumengeschäft ein Lokal in einem Stilmix aus historischem Kaufmannsladen und Schöner Wohnen, mit Indoor-Estrade, kleinem Hof-Garten und mit sehr vielen Plakaten, auf denen wortreich von der Philosophie des Unternehmens zu lesen ist. Die beruht im Wesentlichen darauf, der Tradition treu geblieben zu sein, vor allem aber, kontinuierlich zu produzieren. „Bei uns ist ein Eis nie älter als zwei bis drei Stunden“, sagt Georg Grün, auch die Pozzetti seien speziell, nämlich geschlossene Gelato-Container, in denen man das Eis nur auf minus acht bis minus zwölf Grad Celsius kühlen muss, nicht auf minus 25, was für die Cremigkeit natürlich nicht ohne Auswirkung bleibt.

Einstweilen fährt man 24 verschiedene Sorten, hauptsächlich traditionell italienische Milch- und Nussvarianten, vier Joghurteise und eine Handvoll Fruchteis, das je nach Angebot wechselt. In die Stanitzeln wird vor Befüllung flüssige Schokolade gefüllt, wenn man das will, die Stanitzeln stecken in einem Papierspitz. Im Herbst sollen dann auch die in Italien sehr beliebten Torten kommen, Muffins, Tiramisu, Zabaione und Crêpes gibt es schon, Letztere werden auf der Theke zubereitet und auf einem hübschen Holzbrett gefaltet, sind aber irgendwie teigig und werden in Kombination mit der Eisfülle schnell zäh.

Ein Test der Referenzsorten ergab: Pistazie ist cremig, gut, natürlich braun und fein röstig, Erdbeer nicht in der heimischen Topliga, Crema di Nocciola geil, aber arg süß, Haselnuss wird mit gerösteten Mandeln in Schokosauce gereicht und ist trotzdem super. Dennoch halt recht konservativ, die aktuelle Wiener Eiswelle schaut da irgendwie ein bisserl sehr anders aus.

Resümee:

Die erste Filiale einer italienischen Edel-Gelateria – mit guter Ware für den eher konservativen Gelato-Gaumen.

Gelateria Romana dal 1947
7., Stiftg. 16–18
tägl. 11–23 Uhr
www.gelateriaromana.com


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