Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | BENEDIKT NARODOSLAWSKY | aus FALTER 26/15 vom 24.06.2015

Erstaunlich, was Menschen erdulden, wenn das Kameralicht leuchtet. Puls4-Moderator Chris Stephan besucht eine Familie in Gmunden, lässt sich vom Gastgeber die Schuhe ausziehen, streut dessen Gattin Cannabis in die Suppe, steckt sich die Zahnbürste des Sohnes in den Mund und sagt: "Sobald ein anderer die Zahnbürste verwendet, sollte man sie selber nicht mehr verwenden."

Die Sendung heißt "Drück die 4". Das Konzept: Wer beweist, dass er zu Hause Puls4 auf dem vierten Sendeplatz eingespeichert hat, bekommt 444 Euro. Mit diesem Trick schleicht sich Stephan in die Wohnzimmer des Landes. Er trifft einen Schwulen und unterhält sich über dessen Outing, ein parkinsonkranker Greis erzählt ihm von seiner Einsamkeit, eine illuminierte Kellnerin spricht über ihre prekäre Situation. Comedy meets Sozialporno plus Happy-End-Garantie. "Danke, danke!", schreit die Kellnerin und klaubt das Geld vom Boden auf. Stephan hat es zuvor in die Luft geworfen. F


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